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Bildung, Arbeit und LebenschancenArbeitsmarktpolitik und Beschäftigung

Bildung, Arbeit und Lebenschancen

Abteilung Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigung





Forschungskonzept


 


Die Leitidee des Forschungsprogramms: Das Konzept der Übergangsarbeitsmärkte

Übergangsarbeitsmärkte sind institutionelle Arrangements, die es ermöglichen, in einer sozial abgesicherten und koordinierten Weise zwischen verschiedenen Arbeitsverhältnissen zu wechseln und bezahlte wie unbezahlte Arbeit je nach Bedürfnissen der individuellen Lebenslage zu kombinieren. Übergangsarbeitsmärkte sichern nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch die mit Übergängen verbundenen Einkommens- und Erwerbsrisiken ab. Sie bieten nicht nur Schutz vor den Risiken solcher Übergänge, sondern auch Anreize, solche Risiken einzugehen: etwa den Übergang von der abhängigen zur selbständigen Beschäftigung zu wagen, zeitweise von einer Vollzeit- in die Teilzeitbeschäftigung überzugehen oder eine Teilzeitbeschäftigung mit der Erlernung eines neuen Berufs zu verbinden. Übergangsarbeitsmärkte sind Gelegenheitsstrukturen, die Arbeitslosigkeit vorbeugen, den Übergang von der Arbeitslosigkeit in Beschäftigung beschleunigen und partnerschaftliche Formen der Lebensplanung ermöglichen. Die Erweiterung der Arbeitslosenversicherung zu einer Beschäftigungs- oder Arbeitslebensversicherung, in der alle Einkommensrisiken (und nicht nur das der Arbeitslosigkeit) versichert, abgesichert oder durch präventive Maßnahmen gemindert werden, erhöht schließlich die Bereitschaft zur Akzeptanz flexibler Beschäftigungsverhältnisse. Das erfolgreiche Management der Übergangsrisiken im Erwerbsverlauf ist daher - in Verbindung mit koordinierter Lohn- Fiskal- und Geldpolitik - zentraler Bestandteil einer präventiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Eine sozial abgesicherte Flexibilisierung des Arbeitsmarkts erhöht wiederum die Beschäftigungsintensität, mindert inflationären Lohndruck und trägt somit auch zum Wachstum bei.

In der theoretischen Orientierung geht die Abteilung von den komplementären Stärken und Schwächen sozialer und ökonomischer Steuerungsmedien aus: Märkte, Hierarchien, Netzwerke und Bürgerrechte. Ziel ist eine moderne Steuerungstheorie („Governance“), die insbesondere die Theorie rationaler Wahlhandlungen („Rational Choice“) mit der Theorie sozialer Institutionen verbindet. Das bedeutet, die eingeschränkten Bedingungen rationalen Handelns (unvollkommene oder asymmetrische Information), institutionelle Pfadabhängigkeiten (langfristige Bindungen durch getätigte Investitionen), soziale Normen (wie Reziprozität und Fairness), Macht (Fähigkeit, nicht lernen zu müssen) und politische Ziele (z. B. Chancengleichheit) explizit in den Untersuchungsdesigns und Erklärungsmodellen zu berücksichtigen.

Das methodische und empirische Interesse richtet sich auf die Analyse der Übergänge zwischen verschiedenen Formen der Erwerbs- und Nichterwerbstätigkeit und zwischen verschiedenen Formen der Beschäftigung in Abhängigkeit sozialstaatlicher Arrangements. Neben internationalen, nationalen und regionalen Aggregatdaten treten daher zunehmend individuelle Prozessdaten (Paneldaten) in den Vordergrund der Analyse, um Übergangsprozesse im Längsschnitt zu analysieren. Der Ansatz der Implementations- und Evaluationsforschung der Abteilung umfasst qualitative Fallstudien, systematische Leistungsvergleiche („Benchmarking“) auf der Basis einer umfassenden regionalen Datenbank für Deutschland, Nutzen- und Kostenanalysen für die individuellen und institutionellen Akteure sowie mikrosoziologische und mikroökonomische Kausalmodelle. Es wird angestrebt, Aggregatdaten auf regionaler oder nationaler Ebene mit Individualdaten zu verknüpfen (integrierte Mehrebenenanalyse). 




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