PROBLEMSTELLUNG
Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung hat in Deutschland breite
Akzeptanz gefunden, über seine Operationalisierung und darauf fußende
Umsetzungsstrategien gibt es dagegen noch keinen Konsens der gesellschaftlich relevanten
Gruppen. Im bisherigen Nachhaltigkeitsdiskurs standen internationale ökologische
Erfordernisse im Vordergrund. Insbesondere die Gewerkschaften vermissen eine angemessene
Berücksichtigung auch nationaler sozialer und arbeitspolitischer Belange, damit Risiken
für die Arbeitswelt abgeschätzt und minimiert werden können. Um dem von ihnen
unterstützten Ziel einer nachhaltigen Zukunftsentwicklung näherzukommen, sind sie auf
der Suche nach einer umfassenden und praktizierbaren sozial-ökologischen Reformstrategie,
die auch den Interessen ihrer Mitglieder und ihren Ansprüchen an eine zukünftige
Arbeitswelt Rechnung trägt.
Hauptziel des transdisziplinär angelegten Forschungsprojekts
"Arbeit + Ökologie" ist es, soziale und arbeitspolitische Aspekte in ihrer
Wechselwirkung mit zentralen Elementen von unterschiedlich akzentuierten
Nachhaltigkeitskonzepten zu untersuchen. Damit soll die Diskussion in Deutschland mit
neuen Aspekten belebt und den Gewerkschaften eine fundierte Grundlage für ihren
Strategiebildungsprozeß geboten werden.

LEITFRAGEN
Die Gewerkschaften haben im DGB-Grundsatzprogramm von 1996 die
Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung zu einer wichtigen Aufgabe erklärt. Ihre Suche
nach einer sozial-ökologischen Reformstrategie steht unter der Prämisse, daß
ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele gleichwertig verfolgt werden
müssen, wobei erhebliche Defizite vor allem bei der Berücksichtigung der sozialen
Dimension von Nachhaltigkeitskonzepten konstatiert werden.
Vor diesem Hintergrund haben sich die drei Forschungsinstitute DIW, WI
und WZB mit ihren jeweils spezifischen fachlichen Kompetenzbereichen zu einem
Forschungsprojektverbund zusammengetan. Sie werden in enger Kooperation die
Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Nachhaltigkeitsstrategien und wirtschafts-,
beschäftigungs- und arbeitspolitischen Entwicklungstrends untersuchen.
Dabei wird sich das Forschungsprojekt auf drei Leitfragestellungen
konzentrieren: (1) das Verhältnis zwischen den sozialen Implikationen von
Nachhaltigkeitsstrategien und gewerkschaftlichen Zielen, (2) die Bausteine einer
sozial-ökologischen Reformstrategie und (3) die Rolle der deutschen Gewerkschaften in
einem gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsdiskurs.

PROJEKTDESIGN
Die Forschungsfragen werden im Rahmen eines Untersuchungsansatzes
analysiert, der durch die enge Kooperation verschiedener Fachdisziplinen bei der
Entwicklung eines disziplinübergreifenden, integrierten Ansatzes und den praxisbezogenen
Dialog mit den Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen Transdisziplinarität
erreicht.
Das Projekt ist in drei zeitlich gestaffelte Phasen gegliedert, in
denen (1) Querschnittsanalysen durchgeführt, (2) Szenarioanalysen erstellt sowie (3)
Strategieelemente erarbeitet werden.
Querschnittsanalysen: Sie dienen der Erfassung und Klärung der
vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Nachhaltigkeit und Arbeit, die sich aus
ökonomischer, sozialer und ökologischer Sicht ergeben. Hierbei wird es auf der
Makroebene etwa um Fragen von Wirtschaftswachstum, Beschäftigungsentwicklung,
Arbeitsproduktivität, sozialer Sicherheit, Ressourcenverbrauch sowie von ökologischen
Problemverschiebungs- und -verstärkungseffekten gehen; auf der Mikroebene werden neue
Arbeitsverhältnisse, Arbeitszeiten, Arbeitsformen und Arbeitsbelastungen, das Verhältnis
von formeller und informeller Arbeit, Qualifizierung und Beteiligung sowie
sozial-ökologische Innovationspotentiale in verschiedenen Bereichen untersucht. Die
Analyseergebnisse sollen Grundlagen für die Beurteilung von Szenarien schaffen und die
Formulierung von Strategien unterstützen.
Szenarioanalysen: Die Szenariotechnik gehört mit zu den
zentralen methodischen Ansätzen des Forschungsvorhabens. Um dem Spektrum verschiedener
Positionen in der Nachhaltigkeitsdiskussion gerecht zu werden, sollen zwei
Nachhaltigkeitsszenarien entwickelt und analysiert werden, die unterschiedliche Ansätze
widerspiegeln. Das sogenannte ökonomisch-soziale Szenario geht von der ökonomischen
Kritik an der vorherrschenden Wirtschaftspolitik aus, während das sogenannte
ökologisch-soziale Szenario auf der ökologischen Kritik vorherrschender umweltrelevanter
Politikmuster basiert. Als Hintergrundfolie für die Beurteilung dieser beiden
Nachhaltigkeitsszenarien dient ein sogenanntes angebotsorientiertes Kontrastszenario, das
auf einer Fortschreibung zur Zeit dominierender politischer Konzepte beruht. Die Bewertung
der Szenarien nach (aus den Querschnittsanalysen gewonnenen) ökonomischen, ökologischen
und sozialen Kriterien soll Zielkonflikte und -synergien aufdecken und damit der
Strategieformulierung dienen.
Erarbeitung von Strategieelementen: Die Analyse und Bewertung
der Szenarien soll Strategieelemente ermitteln, die durch Synergien zwischen
ökonomischen, ökologischen und arbeitspolitisch-sozialen Zielen gekennzeichnet sind.
Diese können - gemeinsam mit weiteren Strategieelementen, die aus der Analyse von
Konfliktpotentialen und aus den Querschnittsanalysen gewonnen wurden - einen Beitrag für
die Entwicklung einer gewerkschaftlichen sozial-ökologischen Reformstrategie liefern. Die
übergreifende Analyse der verschiedenen Szenarien sowie die Erarbeitung von
Strategieelementen erfolgt in enger Kooperation der beteiligten Forschungsinstitute sowie
in einem systematischen Dialog mit Vertretern der Gewerkschaften und anderer
gesellschaftlich relevanter Gruppen.

BEIRAT
Ein Projektbeirat begleitet das Projekt während der gesamten
Projektlaufzeit. Er besteht aus einer speziell berufenen Gruppe von Experten aus
Wissenschaft und gewerkschaftlicher Praxis.
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Eine ausführlichere Projektbeschreibung finden Sie unter Projektpublikationen