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Bildung, Arbeit und LebenschancenDemographische Entwicklung, sozialer Wandel und Sozialkapital

Bildung, Arbeit und Lebenschancen






Forschungsprofessur
Demographische Entwicklung, sozialer Wandel und Sozialkapital



 

Die Alterung der Bevölkerung betrifft sowohl Gesellschaften insgesamt als auch Familien und verändert Strukturen und Dynamiken auf der sozialen Makro- wie Mikroebene. Die demographischen Entwicklungen sind in den wirtschaftlich entwickelten Ländern ähnlich, jedoch laufen die Prozesse zeitlich verschoben und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit ab, da sich die Länder oft über lange Zeiträume in den demografischen Merkmalen, wie Alter bei der Geburt des ersten Kindes, die Fertilitätsrate oder die Lebenserwartung unterscheiden. Daraus ergeben sich Abweichungen zwischen den Ländern in der Altersstruktur der Bevölkerung und Unterschiede wie lang und wie viele Generationen gleichzeitig leben.

In der Forschung und der politischen Debatte gibt es eine Spaltung der Sichtweisen zwischen so genannten sozialen Generationen, dass heißt Geburtskohorten oder Altersgruppen auf der einen Seite und familialen Generationen als Linienverwandte auf der anderen Seite. Diese einseitige Akzentuierung der Folgen des demografischen Wandels führt zu vereinfachten Theorien über den Generationenkonflikt und zu vorschnellen Annahmen über die nachlassende Familiensolidarität in zunehmend individualisierten Gesellschaften.

Ein besseres Verständnis, wie die Alterung der Bevölkerung die Beziehungen und Erfahrungen zwischen Generationen in der Familie beeinflusst kann dazu beitragen das Generationenverhältnis auf gesellschaftlicher Ebene, wie es sich im Rentensystem, dem Arbeitsmarkt oder dem Gesundheitssystem zeigt, adäquater zu beurteilen. Umgekehrt vermag die Einsicht, wie Institutionen alters- und generationenspezifische soziale Rechte konstruieren auch zum Verständnis beitragen, warum unterschiedliche Muster der Generationenbeziehungen entstehen und wie diese die Lebensbebedingungen der beteiligten Generationen prägen.

Der demographische Wandel und die intergenerationalen Beziehungen bilden einen Brennpunkt, auf den sich unterschiedliche Disziplinen und Forschungsfelder konzentrieren. zum Beispiel: Demographie, Familiensoziologie, Soziologie des Lebenslaufs, Geschlechterforschung, die vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung und Arbeitsmarktforschung.

Die Forschungsprofessur Demographische Entwicklung, Sozialer Wandel und Sozialkapital möchte zur stärkeren Synthese der differenzierten Sichtweisen beitragen. Das Forschungsprogramm beinhaltet zum jetzigen Zeitpunkt folgende Projekte:


n Wie demografischer Wandel intergenerationale Solidarität, das Wohlbefinden und die soziale Integration gestaltet.
        Ein vernetztes System
MULTILINKS

MULTILINKS ist ein Projekt im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission, welches seit dem Start im März 2008 von Prof. Pearl Dykstra, ¬The Netherlands Interdisciplinary Demographic Institute (NIDI), Utrecht, Niederlande, koordiniert wird.

Forschungsziel ist, zu untersuchen, wie sich soziale Kontexte, von makro-gesellschaftlichen zu mikro-interpersonellen verändern und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die soziale Integration, das Wohlbefinden und die intergenerationale Solidarität in verschiedenen europäischen Nationen haben.

Der Forschungsansatz beruht auf drei zentralen gesellschaftlichen Voraussetzungen. Erstens, der demografische Wandel wirkt sich auf alle Altersgruppen aus: die junge, die mittlere und die alte Generation. Zweitens, gibt es einflussreiche Wechselwirkungen zwischen den Familiengenerationen und zwischen Männern und Frauen. Drittens, sind verschiedene analytische Ebenen zu unterscheiden: das Individuum, die interpersonellen Beziehungen (Dyade), die Familie, die Region, die Geburtskohorten und das Land.

Die Forschungsgruppe am WZB ist verantwortlich für die Rekonstruktion der institutionellen Rahmenbedingungen, in denen intergenerationale Beziehungen eingebunden sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Gender-Spezifität. Die WZB Forschungsgruppe ist beteiligt an (a) der Bewertung von vorhandener politischer Literatur und Datenbeständen sowohl über westeuropäische Länder als auch mittel-und osteuropäische Länder, um länderübergreifende Ähnlichkeiten und Unterschiede auszuwerten und Forschungsergebnisse aus oft getrennt bleibenden Fachgebieten zu integrieren; (b ) die Entwicklung von Indikatoren zu "intergenerationalen Regimen“, die international vergleichbar sind, sowohl zum Zweck der Messung als auch zur konzeptionellen Weiterentwicklung bestehender Wohlstandstypologien; (c) am Aufbau einer Internet-Datenbank.

Der erste Bericht der WZB Forschungseinheit, in dem der theoretische Ansatz entwickelt, die vorhandene Literatur und Datenquellen vorgestellt und diskutiert sowie die Indikatoren erfasst und beschrieben werden, ist in dem folgenden
> PDF-Dokument verfügbar.


n  Intergenerationale Beziehungen in Familie und Gesellschaft

Dieser Forschungszweig wurde in Verbindung mit einem Projekt innerhalb des European Network of Excellence ¬EQUALSOC ent-wickelt. Die bisherigen Beiträge sind: a) Ein Überblick über den Forschungsstand, b) eine Reihe von Arbeitspapieren, die auf der EQUALSOC Konferenz im September 2006 in Barcelona präsentiert wurden, c) Ein Buchkapitel über die Beziehungen zwischen Enkeln und Großeltern, d) eine Konferenz über intergenerationale Beziehungen im März 2007 am WZB. Einige der dort vorgestellten Ergebnisse werden gerade zu einem Buch zusammengefasst, e) eine
> Datenbank über komparative Datensätze zu Generationenbeziehungen. Weitere Workshops sind für die nahe Zukunft geplant.


n  Beschäftigung und Familienarbeit in Europa. Wie gehen erwerbstätige Frauen mit der Pflegebedürftigkeit
         ihrer Eltern um?

Dieses Projekt ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens zu Beschäftigung und Familienarbeit in Europa, das vom französischen Arbeitsministerium finanziert und von der Ecole nationale de la santé publique (ENSP) in Rennes koordiniert wird. Ziel ist es, zu erforschen wie erwerbstätige Frauen in Zusammenspiel mit anderen Familienmitgliedern und sozialen Pflegediensten mit dem Pflegebedarf der (Schwieger-)Eltern in verschiedenen europäischen Ländern umgehen. Die Forschungseinheit am WZB führt die deutsche Länderstudie durch. Die bisherigen Ergebnisse sind in dem WZB Discussion Paper > SP I 2009-401 veröffentlicht worden.

 
Professorin Chiara Saraceno


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