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Bildung, Arbeit und Lebenschancen |
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BMBF-Nachwuchsgruppe
„Education and Transitions into the Labour Market“ |
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von links: Simone Grellmann, Christian Ebner,
Benjamin Edelstein, Marcel Helbig, Rita Nikolai, Christian Brzinsky-Fay
[Foto: David Ausserhofer] |
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Die BMBF-Nachwuchsgruppe analysiert im internationalen Vergleich
Übergänge innerhalb des Bildungssystems, Übergänge beim Eintritt in
das Erwerbssystem sowie Weiterbildungsaktivitäten und damit
Übergänge vom Arbeitsmarkt zurück ins Bildungssystem. Dabei ergänzen
sich politologische und soziologische Forschungsansätze. Die Gruppe
besteht seit April 2007 und wird aus Mitteln des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung finanziert.
Geleitet wird die Nachwuchsgruppe von > Dr. Rita Nikolai.
Betrachtet werden nicht nur Übergangsprozesse auf der
Individualebene, sondern auch die relevanten Kontextbedingungen.
Dabei interessiert aus intranationaler und internationaler
Vergleichsperspektive, inwieweit auf der Makroebene etwa
parteipolitische Programme, sozioökonomische und soziokulturelle
Faktoren, institutionelle Rahmenbedingungen oder die Beziehungen
zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern Übergänge in den
Arbeitsmarkt steuern und beeinflussen. Wie wirken sich
unterschiedliche Institutionen des Willensbildungsprozesses,
sozialstaatliche Regelungen oder Finanzierungsmodi der Bildungs- und
Arbeitsmarktpolitik auf Übergänge aus? Auf der Mesoebene wird
erkundet, inwieweit Kontextfaktoren von Schulen und Betrieben,
Lehrerempfehlungen und Peers ausschlaggebend für den Erfolg oder
Misserfolg eines Übergangs sind. Schließlich haben auf der
Mikroebene Schüler- und Elternpräferenzen, kulturelles, ökonomisches
und soziales Kapital, aber auch Selbstwahrnehmung und
Selbsteffektivität maßgeblichen Einfluss darauf, wie sich Übergänge
gestalten. Bei deren Analyse geht es nicht nur um die
Verwertungschancen zertifizierter Abschlüsse sondern ebenso um die
Relevanz nicht zertifizierter Kompetenzen, da Zertifikate und
Kompetenzen zwangsläufig nicht systematisch aufeinander bezogen
werden können.
Forschungsprojekte der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Das Habilitationsvorhaben von > Dr. Rita Nikolai
befasst sich mit dem Thema Bildungsarmut, die anhand fehlender
formaler Bildungsabschlüsse und/oder geringer Kompetenzen gemessen
werden kann. Ziel ist es, im internationalen Vergleich zu erklären,
warum Staaten im Hinblick auf Bildungsarmut differieren. Dabei geht
es vor allem um den Beitrag bildungspolitischer Reformen – so etwa
Veränderungen in der organisatorischen und regionalen Gliederung des
Bildungssystems, im Niveau der Bildungsausgaben oder in den
Lehrplänen – zum Abbau von Bildungsbarrieren. Die Analysen
konzentrieren sich auf eine Vielzahl möglicher Variablen wie
parteipolitische Faktoren, institutionelle Begrenzungen des
Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses, Pfadabhängigkeiten der
Politik, soziokulturelle und sozioökonomische Faktoren,
Gestaltungsparameter im Bildungswesen, Programmkonkurrenz,
Machtressourcen, Finanzierungsbedingungen, internationale
Bestimmungsfaktoren und länderspezifische Konstellationen.
In seinem Dissertationsprojekt behandelt > Marcel Helbig
die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Erwerb des Abiturs.
Die Untersuchung stützt sich auf Befunde aus verschiedenen
Wissenschaftsdisziplinen von der Biologie und Hirnforschung über die
(Entwicklungs-)Psychologie und Erziehungswissenschaft bis zur
Soziologie. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass in den 1960er
Jahren Jungen beim Erwerb des Abiturs in Deutschland bessere Chancen
hatten, in den 1970er Jahren von den Mädchen eingeholt wurden, in
den 80er Jahren von den Mädchen überholt wurden und seit den 1990er
Jahren immer weiter zurückfallen. Es wird die These vertreten,, dass
durch den sozialen Wandel der letzten 40 Jahre Mädchen ihr Potenzial
völlig ausschöpfen konnten und die Erkenntnisse der anderen
Disziplinen zwar hilfreich sind, um geschlechtsspezifische
Bildungsungleichheiten zu erklären, aber nicht hinreichend, um den
Geschlechterwandel zu verstehen. Auch bildungspolitische
Veränderungen sollen in die Analyse einfließen, denn soziale
Ungleichheit und damit auch geschlechtsspezifische Ungleichheit wird
durch das föderale System weiter befördert.
> Christian Brzinsky-Fay
widmet sich anhand von zehn europäischen Ländern der Frage,
inwieweit Institutionen in Interaktion mit Politiken Übergänge vom
Bildungssystem in das Erwerbssystem prägen. Er unternimmt hierbei
den Versuch, kollektive Entscheidungen und institutionelle
Rahmenbedingungen auf der Makroebene mit individuellen Auswirkungen
auf der Mikroebene zu verbinden. Die divergierenden institutionellen
Konfigurationen der untersuchten Länder bieten die Möglichkeit,
Politiken und Institutionen auf unterschiedliche Effekte hin
abzuklopfen. Unter Anwendung systematischer qualitativer
Fallvergleiche ( Qualitative Comparative Analysis) soll geklärt
werden, ob etwa ein starker Kündigungsschutz und eine enge
Verzahnung von schulischer und betrieblicher Ausbildung (duales
System) die Übergänge von Jugendlichen erleichtern.
In internationalen Vergleichen zeigte sich meist, dass Länder mit
dualer Berufsausbildung eine relativ geringe Jugendarbeitslosigkeit
aufweisen. Im Gegensatz zu Jugendlichen, die eine rein schulische
Berufsausbildung absolvieren, stehen Lehrlinge schon mit einem Bein
im Erwerbsleben und haben bereits während der Ausbildung eine
Bindung an ein Unternehmen.
> Christian Ebner beschäftigt
sich in seiner Dissertationsarbeit mit den Arbeitsmarktchancen von
jungen Menschen in vier Ländern, die nach wie vor stark auf duale
Formen der Berufsausbildung setzen: Deutschland, Österreich, Schweiz
und Dänemark. Nach einer detaillierten Beschreibung der
Berufsbildungssysteme der vier Länder sollen in einem zweiten
Schritt arbeitsmarktbezogene Faktoren wie Arbeitslosigkeitsrisiken,
Einkommen und Beschäftigungsstabilität über den Erwerbsverlauf in
den Vordergrund gerückt werden.
Benjamin Edelstein und Simone Grellmann unterstützen die
BMBF-Nachwuchsgruppe als
Hilfswissenschaftler bei Recherchearbeiten und der Erstellung von
Publikationen.
Die Nachwuchsgruppe wird nicht nur eng mit der
> Abteilung „Ausbildung
und Beschäftigung“ von Heike Solga zusammenarbeiten, sondern auch
mit Gastwissenschaftlern am WZB, die im Bereich Bildung und
Arbeitsmarkt forschen.
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Letzte Änderung: 2008-02-04 15:12 |
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