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Formatierung digitaler Güter in Issue Networks

Projektleitung
Laufzeit
10/2010-09/2013

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Prozessen der Inwertsetzung (Valorisierung) digitaler Güter.

Die wirtschaftliche Verwertung digitaler Kulturgüter erweist sich als Problem, weil sich digitale Objekte ohne großen Aufwand vervielfältigen, verändern und zirkulieren lassen. In der Regel sind die Kosten für die Erstellung des Werks hoch, die Kosten für seine Vervielfältigung dagegen sehr gering. In Zeiten des Buchdrucks half das Trägermedium Papier, flüchtige Informationsobjekte dauerhaft als handelbares Produkt zu fixieren. Gleichzeitig regelte das Urheberrecht Vervielfältigungshandlungen durch die Schaffung von Ausschlussrechten. Als Folge der Digitalisierung hat das Zusammenspiel aus materiellen Trägermedien und gesetzlichen Normen seine Märkte ermöglichende Wirkung teilweise verloren. Neben dem kommerziellen Handel mit Informationsgütern haben sich weitere, nicht-marktförmige Praktiken des Vertriebs bzw. der Verbreitung etabliert. Daraus ergibt sich die prinzipielle Frage nach beobachtbaren Strategien und Rationalitäten der Inwertsetzung digitaler Objekte und der Schaffung von Märkten: Welche Verfahren oder Techniken kommen zum Einsatz, um den marktförmigen Handel digitaler Produkte auch künftig als Leitprinzip zu befestigen und wie wirken sich diese auf die Konstitution informationeller Güter aus?

Dem Forschungsprojekt liegt die These zugrunde, dass die Entwicklung neuer Produkte einschließlich ihrer Inwertsetzung als verteilter Prozess untersucht werden muss. Das heißt, an der Durchsetzung des Neuen sind viele Akteure beteiligt, deren Beziehungen durch Koordination, Konkurrenz oder auch Opposition gekennzeichnet sein können. Entsprechend handelt es sich bei der Entstehung des Neuen nicht um einen kalkulierbaren Prozess, sondern um das Ergebnis eines im Detail unvorhersehbaren Zusammenspiels von Ereignissen, Materialitäten, Deutungen und Akteuren. Der von Noortje Marres (2007) geprägte Begriff des "issue networks" bezeichnet dieses formatierende Zusammenspiel zwischen Akteuren, Diskursen, Praktiken und Objekten.

Die Formatierung digitaler Werke wird im Rahmen von zwei Fallstudien untersucht. Im ersten Fall geht es um die neuerliche Inwertsetzung wirtschaftlich wertlos gewordener Informationsgüter durch Digitalisierung: Google Books ist eine Geschäftsidee, die auf die Re-Kommodifizierung vergriffener Bücher zielt. Wie gezeigt werden soll, bewirken die "issue networks", die sich um die nach wie vor offene Frage der Prinzipien der Inwertsetzung digitaler Güter gebildet haben, eine substantielle Veränderung des Gegenstandes Buches. Im Rahmen des Google Books Projekts verwandeln sich Güter in digitale Dienstleistungen.

Der zweite Fall bezieht sich auf die Inwertsetzung von Internetadressen. Das Adressierungssystem des Internet ist an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen und Internetaddressen (vom Typ IPv4) gelten heute als knapp. Die Einführung von Märkten für Internetadressen soll zu einer effizienteren Allokation führen. Wie andere digitale Objekte auch, lassen sich Internetadressen jedoch leicht kopieren und modifizieren. Die Fallstudie untersucht Strategien und Verfahren der Stabilisierung von Internetadressen als handelbare Ware. Erwartet wird, dass sich wie im Falle der vergriffenen Bücher im Zuge der Inwertsetzung Neuerungen in der Konstitution von Internetadressen gewissermaßen hinter dem Rücken der beteiligten Akteure vollziehen.