Kritik an Europa gehört zum demokratischen Prozess
In Europa wächst der Euroskeptizismus. Kritische Äußerungen werden jedoch von den EU-Befürwortern als Bedrohung für den europäischen Integrationsprozess gesehen. Wie sollte man mit den Euroskeptikern umgehen? Ist ihre massive Kritik wirklich irrational und gefährlich? WZB-Forscher Pieter de Wilde und Hans-Jörg Trenz von der Universität Oslo haben sich mit der Entstehung und der Wirkungsweise des Euroskeptizismus im politischen Diskurs auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse sind jetzt im European Journal of Social Theory nachzulesen.
De Wilde und Trenz haben herausgefunden, dass sich eurokritische Äußerungen vor allem in den Massenmedien entfalten, während die dominierenden Parteien in der EU kaum Raum für kritische Thesen lassen. Das Internet spielt dabei eine große Rolle, weil es den Euroskeptikern ein Forum bietet.
In ihrem Journalbeitrag entwickeln die beiden Forscher eine Typologie der existierenden Meinungen und Bewertungen über die EU. Sie zeigen, dass es neben den reinen EU-Befürwortern und -gegnern weitere Positionen gibt, wie etwa die Pragmatiker, die zwar gegen die EU-Integration sind, diese aber unterstützen, weil alle Alternativen zur Europäischen Union zu kostenintensiv wären.
Nach Ansicht der beiden Wissenschaftler ist der Euroskeptizismus keine verwerfliche Demontage der europäischen Ideen, sondern Teil des Demokratisierungsprozesses innerhalb der EU. Er werde eine wichtige Rolle im öffentlichen Diskurs spielen, solange wichtige Prinzipen der Demokratisierung und der Partizipation im Prozess der europäischen Einigung nicht verwirklicht worden sind.
Pieter de Wilde and Hans-Jörg Trenz: Denouncing European Integration: Euroscepticism as Polity Contestation. In: European Journal of Social Theory, online first, March 2012.