Mehr Zivilengagement – weniger Korruption?
Wo das bürgerschaftliche Engagement stark ist, gibt es weniger Korruption. Benny Geys und Nicolas Grießhaber haben diese in der Forschung verbreitete These für 20 europäische Demokratien überprüft. Ihr Fazit: Es kommt ganz auf die Art des Engagements an. Nur „inklusive“ bürgerschaftliche Zusammenschlüsse wirken positiv, also solche, die offen sind, sich für das Gemeinwohl einsetzen und Mitglieder haben, die auch in anderen inklusiven Organisationen aktiv sind.
Manche Formen des Engagements sind sogar schädlich. Im Gegensatz zu inklusiven Vereinigungen haben exklusive Vereinigungen einen sehr starken inneren Zusammenhalt, verfolgen Sonderinteressen und arbeiten nicht für das Gemeinwohl. Prinzipien wie Gegenseitigkeit und Vertrauen gelten nur im Blick auf die eigenen Mitglieder. Das begünstigt Vetternwirtschaft und Korruption. Klassisches Beispiel: die Mafia.
In Ländern mit einer hohen Dichte exklusiver Vereinigungen gibt es mehr Korruption, stellen Geys und Grießhaber fest, etwa in Ungarn, Griechenland, Polen und Italien. Länder mit einer großen Zahl inklusiver Vereinigungen, deren Mitglieder wiederum in anderen inklusiven Vereinigungen engagiert sind, haben ein niedriges Korruptionsniveau, etwa die skandinavischen Länder.
Dieser Zusammenhang ist wichtig für die Politik. Öffentliche Mittel für bürgerschaftliche Vereinigungen sind nicht per se sinnvoll. Wer vom Engagement sozial positive Wirkungen und einen Rückgang der Korruption erwartet, sollte nur inklusive Vereinigungen fördern.