Über den Zusammenhang von Schulkarriere und Geschlecht
Erst heute können Mädchen die Bildungsansprüche stellen, die ihren guten Noten entsprechen. Mit ihren Zeugnissen überflügeln Mädchen ihre männlichen Altersgenossen nämlich schon seit vielen Jahrzehnten. Abitur hingegen machen sie erst seit etwa zwanzig Jahren deutlich häufiger als Jungen. Im neuen WZBrief Bildung untersucht Marcel Helbig, wie Geschlecht und Bildungserfolg zusammenhängen.
Dabei präsentiert der WZB-Bildungsforscher eine neue Herangehensweise an die vieldiskutierte „Krise der Jungen“. Nicht das Fehlen männlicher Vorbilder oder Diskriminierungen von Seiten des überwiegend weiblichen Lehrkörpers führten dazu, dass Jungen schlechter lesen und häufiger auf Förderschulen zu finden seien, sagt Helbig: „Antworten sind vielmehr im Bereich der gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu finden.“ Für Jungen wird es zum Bildungshemmnis, dass sie ihr Können überschätzen und sich deshalb in der Schule weniger anstrengen. Mädchen dagegen konnten bis weit ins zwanzigste Jahrhundert von ihren guten schulischen Leistungen wenig profitieren, da anspruchsvolle Erwerbsarbeit für Frauen nicht vorgesehen war.