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Trotz der Internationalisierung der Finanzmärkte variieren
in Deutschland und Frankreich die Beziehungen zwischen Kreditinstituten und kleinen bzw.
mittelständischen Unternehmen (KMU). Während in Deutschland das
"Hausbanksystem" mit längerfristigen Beziehungen zwischen Banken und KMU
dominiert, wird in Frankreich das Verhältnis als "Lieferanten
(Fournisseur)-Beziehung" von Finanzprodukten klassifiziert. In dieser Arbeit werden
in einem ersten Schritt die jeweiligen Kontextbedingungen (staatliche Regulierungen,
öffentliche Förderung, Strukturen der Finanzsysteme und der Unternehmen) untersucht. Im
Mittelpunkt der Studie steht die Analyse der Organisations- und Arbeitsstrukturen sowie
der Personaleinsatzstrategien in den Kreditinstituten der beiden Länder. In Deutschland
signalisiert die Einbeziehung betriebswirtschaftlicher Aspekte in die Kreditentscheidung
eine größere Fachkompetenz, der interne Aufstieg gewährleistet mehr betriebliche
Praxiserfahrung, und die längere Verbleibdauer der Kundenberater ermöglicht eine
längerfristige, persönliche Betreuung. In Frankreich hingegen wirken die Ausrichtung der
Kreditentscheidung auf finanzielle Informationen, die Rekrutierung sehr junger, vorwiegend
bankfachlich qualifizierter Hochschulabsolventen der Entwicklung einer dauerhafteren,
partnerschaftlicheren Beziehung zu KMU ebenso entgegen wie der häufige Betreuerwechsel
und die damit verbundenen Informationsverluste. Trotz der in beiden Ländern im Zuge der
Binnenmarktintegration zu beobachtenden Reorganisation des Bankensektors bestehen kaum
Anzeichen für eine Konvergenz. Die Komplexität der institutionellen und
innerorganisatorischen Bedingungen zeigt vielmehr, dass der Übertragbarkeit
länderspezifischer Modelle enge Grenzen gesetzt sind.
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36 Seiten
Bestell-Nr.:
FS I 95-103 |
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