Die unaufhörliche Suche nach Neuheit kennzeichnet unsere
Gesellschaft. Nur das Unternehmen, das fortwährend mit
Produktinnovationen und -variationen, mit nie dagewesenen
Geschäftsmodellen oder Serviceangeboten aufwartet, kann am
Markt bestehen. Nur wer sich neu erfindet und sich
wirkungsvoll zu inszenieren weiß, wird wahrgenommen. In
einer konsum- und informationsorientierten Gesellschaft kann
nur die Neuheit oder Neuigkeit polarisieren, aus der Reserve
locken und Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Neues fasziniert,
überrascht, überzeugt oder unterhält und wird dabei selbst
zum Wert und Faktor wirtschaftlicher Dynamik.
Technische und institutionelle Voraussetzungen von
Innovationen sind bereits vielfach untersucht und als
treibende Faktoren wirtschaftlicher Dynamik anerkannt.
Dagegen fanden die kulturellen Impulse und Bedingungen,
unter denen Neuheit entsteht und als solche erkannt wird,
wenig wissenschaftliche Beachtung.
Neuheit, so die dem Abteilungsprogramm zugrundeliegende
Annahme, bildet den Kern von Innovationen und entsteht in
mehrfach bestimmten kulturellen Zusammenhängen, die wir als
kulturelle Quellen bezeichnen. Die Relevanz dieser
kulturellen Faktoren – im Unterschied zu technischen oder
politischen Aspekten – ist Gegenstand unserer Forschung.
Entscheidend für die Qualität und Anschlussfähigkeit von
Innovationen scheinen uns drei Prozesse: 1) die ständige
Variation kultureller Selbstverständlichkeiten, 2) die
Bewertung als Neuheit und 3) Spannungszustände, die in und
zwischen Kulturen auftreten. Das Zusammenspiel dieser drei
Prozesse, so unsere These, bestimmt das Spektrum und die
Reichweite des Neuen, das sich langfristig durchsetzt. Die
empirischen Felder des Forschungsprogramms sind aus der
räumlichen, interaktiven und zeitlichen Dimensionierung
kultureller Konfigurationen hergeleitet. In jedem der Felder
sind zwei Projekte angesiedelt, die Phänomene
unterschiedlicher Größenordnung untersuchen. Zwei Dissertationen zu
Kreativität und Stadt und
Lichtdesign für Stadträume sind an die Projektfelder
gekoppelt.
Die Forschungsergebnisse sollen einen Beitrag zum besseren
Verständnis von Neuheit als Voraussetzung für
gesellschaftliche und ökonomische Innovationsfähigkeit
leisten. Unser Ziel ist es herauszufinden, welche
„kulturellen Quellen“ das Auftauchen und die Durchsetzung
von Innovationen fördern oder hemmen.
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