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Gesellschaft und wirtschaftliche DynamikKulturelle Quellen von Neuheit

Gesellschaft und wirtschaftliche Dynamik

Abteilung Kulturelle Quellen von Neuheit






Forschungsfeld 1: Neuheit und kreative Räume


v Studioleben und Neuheit
v Foren für neue Designpraktiken
v Kreativität und Stadt

  

Projekt 1.1: Studioleben und Neuheit: Verteilte Kreativität und Wertungsregime in der Kultur- und Kreativwirtschaft
Projektleitung: Ignacio Farías

 



Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Produktionsprozessen in zwei Bereichen der Kreativwirtschaft, und zwar der bildenden Kunst und der Architektur. Dabei geht es einerseits um die Untersuchung der soziotechnischen Konfiguration kreativer Prozesse in Künstlerateliers und Architekturbüros, also um das Zusammenwirken von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren in den Praktiken des Entwerfens, Gestaltens und Produzierens neuer Produkte. Andererseits stehen die vielfältigen Wertungsregime und Bewertungspraktiken, mit denen der Wert eines Produkts festgelegt wird, im Fokus des Interesses und insbesondere die Frage, ob und wie in unterschiedlichen Stadien des Produktionsprozesses auch jeweils andere Wertungsregime verhandelt werden. Das Forschungsprojekt leistet damit einen Beitrag zur Definition der Rolle bestimmter kultureller Konfigurationen (hier im weitesten Sinne verstanden als Gefüge von soziotechnischen Akteursnetzwerken und Wertungsregimen) bei der Entstehung von Neuem.

Ausgehend von einem empirischen Ansatz, der ethnographischen Beobachtung von Künstlerateliers und Architekturbüros (räumlich begrenzten kulturellen Konfigurationen), hat das Forschungsprojekt auch zum Ziel, den Einfluss des urbanen Milieus (also von räumlich fluiden kulturellen Konfigurationen) auf die Entstehung von neuen Produkten nachzuzeichnen, und so zu einem besseren Verständnis der städtischen Ent-/Einbettung von Kulturproduktion beizutragen.

Das methodische Vorgehen basiert auf drei Grundsatzentscheidungen: Zunächst galt es, Zweige der Kreativwirtschaft auszusuchen, die für eine Analyse und einen Vergleich verschiedener Konfigurationen kreativer Produktion geeignet sind. Die Wahl fiel auf Kunst und Architektur, weil es sich dabei um zwei sehr unterschiedliche Konfigurationen in der Kreativwirtschaft handelt. Zweitens beruht jede Branchenstudie auf einer kleinen Anzahl von Fallstudien, um die Herstellung von Produkten, die Rolle von Neuheit als Wertungsregime und den Einfluss des urbanen Milieus primär im Zusammenspiel von insgesamt sechs bis acht Künstlerateliers und Architekturbüros zu untersuchen. Die Fallstudien dienen dabei nicht einem direkten Vergleich, sondern liefern sich gegenseitig ergänzende Einblicke in die Arbeitsprozesse von Künstlern und Architekten. Drittens wurde für jede Branche eine Stadt ausgesucht, in der diese eine bedeutende Position einnehmen. Für die Kunst fiel die Wahl dabei auf Berlin, für die Architektur auf Santiago de Chile. Interessant daran ist, dass beide Städte sich durch die Anwesenheit einer relativ großen jungen, experimentierfreudigen Szene, die sich künstlerisch und kreativ betätigt, auszeichnen. Zur Rekonstruktion der Geschichte, Geographie und Dynamik dieser Industrien werden vor Ort Interviews mit Experten und maßgeblichen Akteuren durchgeführt.

In der laufenden Projektphase (2009–2011) sind die Durchführung der empirischen Studien, die Analyse der Fallstudien (6 bis 8 Studien in Ateliers und Architekturbüros, 30 bis 40 Interviews) sowie die vorläufige Systematisierung der Ergebnisse für beide Industriezweige vorgesehen.

Kontakt: Ignacio Farías
E-Mail: farias@wzb.eu



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Projekt 1.2: Foren für neue Designpraktiken. Wandel von Arbeits- und Produktionskonzepten
Projektleitung: Maria Oppen




Im Rahmen dieses Forschungsprojektes werden experimentelle Formen der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren eines Sektors der Kultur- und Kreativwirtschaft – dem Produktdesign – und anderen Wirtschaftsakteuren, insbesondere Herstellern und Nutzern, untersucht. Gefragt wird, ob diese Interaktionen als Neuerungen im Sinne sozialer Innovationen gelten können und durch welche materialen und ideationalen Aspekte sie sich beschreiben lassen. Hieran anschließend sollen deren Potentiale für Veränderungsprozesse in den Arbeits- und Herstellungssystemen von Gütern und Dienstleistungen ausgelotet werden.

Der Designsektor ist für die Gewinnung von Erkenntnissen über kulturelle Quellen von Neuheit in besonderer Weise geeignet. Zunächst verbreitet sich zunehmend die Ansicht, dass alles Wirtschaften immer auch mit Gestaltung verbunden ist, unabhängig davon ob von professionellen Designern oder Gestaltungsamateuren oder gar nicht intentional ausgeführt. Und Gestaltungsaspekten wird in einer Welt der fortschreitenden Ästhetisierung von Produkten, Dienstleistungen und Kommunikationssystemen immer mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil. In jüngster Zeit werden Designpraktiken zudem als Element des Innovationssystems modelliert, das einen besonderen Beitrag zur Generierung neuen Wissens als Grundlage der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung leisten könne. Designwissen und -methoden werden in diesem Zusammenhang als komplementäre Ressourcen zur wissenschaftlich-technischen Erforschung und Entwicklung von Neuerungen betrachtet. Als Beispiele werden die Bedeutungszunahme von Design getriebener und Nutzer zentrierter Innovation angeführt.

Diese Zusammenhangsvermutungen werden in dem Projekt auf ihre empirische Plausibilität überprüft. Als analytischer Rahmen werden arbeits- und raum-soziologische mit wissenstheoretischen Konzepten zusammengeführt. Methodisch wird ein vergleichender Fallstudien-Ansatz verfolgt, basierend auf Interviews, Dokumenten und Beobachtungssequenzen. Es werden jeweils vier Fälle von „neuen“ Formen der Zusammenarbeit jeweils in einer großen und einer kleineren „kreativen Stadt“ untersucht. Der Auswahl wird ein „most dissimilar case“-Verfahren zugrunde gelegt, da es sich um eine explorative, Hypothesen generierende Studie handelt. Für die zweite Projektphase ist eine Erweiterung um Fallstudien zu Interaktionen im Bereich Service-Design in Deutschland und Großbritannien geplant.

Die Identifizierung des Neuen läuft in einem ersten Schritt über Experimente/ Projekte/ Arrangements im Designsektor, die sich in einer breiteren Fachöffentlichkeit die Reputation der Neuheit erworben haben (indiziert etwa über Expertenratings, Preise oder mediale Sichtbarkeit). In einem zweiten Schritt geht es darum, das Auftauchen von Neuem empirisch „dingfest“ zu machen über dessen Beschreibung durch die Beteiligten. In einem dritten Schritt soll die Rekonstruktion der Zuschreibungs- und Aushandlungsprozesse von Neuheit erfolgen. Im vierten Schritt sollen die unterschiedlichen Relevanzen raumgebundener Kulturen als Quellen für Neuerungen identifiziert werden, die sowohl die Qualität von Potentialen als auch von Begrenzungen annehmen können. Raum wird hier als ein relationales Mehrebenen-Phänomen konzeptualisiert; es umfasst das „Forum“ als Ort der Designpraktiken, die Stadt, in der dieser situiert ist und die Domäne als den für den Designsektor relevanten Bezugsraum.

Kontakt: Maria Oppen
E-Mail: oppen@wzb.eu



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Projekt 1.3: Kreativität und Stadt. Rolle, Wirkung und Formen privat-öffentlicher Kooperationen in der Stadtentwicklung zur Beförderung von Kreativwirtschaft
Dissertation Janet Merkel




Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich aus einer stadtsoziologischen Perspektive mit zwei zentralen Fragestellungen: Zum einen wird die Relevanz lokaler Sinnkontexte und der städtischen Raumbedingung für die Entstehung und Entfaltung von Kreativität untersucht. Hierbei geht es um die Frage: Welche Rolle spielt die städtische Umwelt für kreative Prozesse, wie kann sie diese beeinflussen oder auch verhindern? Im Zentrum der empirisch qualitativ angelegten Untersuchung steht dann die Frage, wie Kreativität in Städten durch neue Governanceformen – also durch verschiedene Formen der Handlungskoordination zwischen öffentlichen und privaten Akteuren in Netzwerken, Round Tables, Partnerschaften etc. – in der Beförderung von Kreativwirtschaft stimuliert oder gar erzeugt werden kann?

Kreativität gilt als neue Schlüsselressource städtischer Entwicklung. Davon zeugen eine Vielzahl an Konzepten, wie creative cities, creative economy, creative industries und creative class, welche den gegenwärtigen Forschungsdiskurs über Stadtentwicklung neu strukturieren und weltweit von der Stadtpolitik bereitwillig aufgegriffen werden. Kreativität ist jedoch eine flüchtige Ressource, die an Individuen und Gruppen gebunden ist. Für Städte stellt sich daher die Frage, wie sie diese Ressource „managen“ können, d.h. Kreativität in ihre Strukturen „einlagern“ bzw. Strukturen entwickeln, in denen Kreativität sich entfalten kann. Die gegenwärtige Aufmerksamkeit für Kreativität speist sich vornehmlich aus der zunehmenden wirtschaftlichen Relevanz von symbolischen und wissensbasierten Ökonomien, wie sie etwa durch die verschiedenen Branchen der Kreativwirtschaft verkörpert werden. Diese Wirtschaftszweige werden von der Stadtpolitik als wesentlicher städtischer „Kreativitäts-Ressourcenpool“ identifiziert, der nicht nur Wirkung hinsichtlich der Entwicklung der Kreativwirtschaft entfaltet, sondern auch auf andere Wirtschaftsbereiche der Stadt ausstrahlen und Potenziale für die soziale, politische, planerische und kulturelle Entwicklung der Stadt mit sich trägt. Was leisten also Städte zur Gestaltung und Entfaltung des Phänomens Kreativität und Kreativwirtschaft? Welche Form der Koordination wählen sie, um ein kreatives Feld zu konstituieren und welche Infrastrukturen schaffen Städte zur Unterstützung der kreativwirtschaftlichen Branchen?

In einem Fallstudienansatz (embedded multi-case-study) wird die Beförderung von Kreativität durch neue Governanceformen in der Kreativwirtschaft in den Städten Berlin und London in einem offenen Vergleich untersucht. Differenztheoretisch sollen explizit Unterschiede in der Beförderung von Kreativwirtschaft und den dafür entstandenen Governancearrangements herausgearbeitet und darüber das singuläre, eigenlogische Element der jeweiligen Stadt im Umgang mit Kreativität und Kreativwirtschaft ergründet, aber auch Verallgemeinerungen für das Phänomen „Kreativität in Städten“ erforscht werden.

Kontakt: Janet Merkel
E-Mail: jmerkel@wzb.eu



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Letzte Änderung: 2010-02-25 15:48