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Thematischer Rahmen des Schwerpunkts
Demokratische Herrschaft und "zivile" Gesellschaft sind zentrale
Errungenschaften - und bleibende Herausforderungen in modernen
Gesellschaften. Nach herrschendem Selbstverständnis und nach der
Rechtsverfassung gilt als ausgemacht, dass demokratische Herrschaft
das legitime und leistungsfähige Mittel zur politischen Integration
und Konfliktlösung ist. Und es wird angenommen, dass in der
Gesellschaft stets ein hinreichendes Maß an "Zivilität"
gewährleistet ist, sowohl im Sinne von auf Normen wechselseitiger
Anerkennung gegründeten Formen des sozialen Verkehrs, wie auch im
Sinne des Engagements für die Gesellschaft als eine gemeinsame Sache
aller.
Beide Prämissen stehen auf dem Prüfstand. Sie müssen sich angesichts
neuer Regelungsprobleme und Konflikte bewähren, die mit der
Globalisierung oder zumindest Transnationalisierung sozialer
Dynamiken zusammenhängen. Sie müssen sich bewähren für die neuen
Demokratien der Transformationsgesellschaften und
Entwicklungsländer, deren ökonomische und kulturelle Geschichte eine
andere ist als diejenige, auf der die westlichen Demokratien sich
entfaltet haben.
Weltweite ökonomische Verflechtung, globale ökologische Gefährdungen
und Migrationsdruck stellen die Handlungsfähigkeit der (nationalen)
Staaten in Frage und fragmentieren die (nationalen) Gesellschaften.
Welche Anpassungen der Demokratie zeichnen sich ab/sind notwendig?
Welche Bedeutung hat politische Steuerung (governance) durch
zivilgesellschaftliche Selbstorganisation? Wie wird die
demokratische Beteiligung der Bevölkerung/Öffentlichkeit realisiert?
Wie entwickeln sich Formen der Gewalt und Formen der
Gewaltkontrolle?
Mit dem Spektrum dieser Fragen lässt sich die Thematik des
Forschungsschwerpunkts grob umreißen. Im Folgenden werden die Themen
und Perspektiven der laufenden Arbeiten zusammengefasst und
Konvergenzen und Komplementaritäten zwischen den Forschungseinheiten
des Schwerpunkts erläutert..
Governance, Demokratie, Migration und Probleme des internationalen
Regierens sind zentrale Forschungsfelder des Schwerpunkts IV. Dabei
reicht das Themenspektrum von den Makroinstitutionen der Polity
(Verfassungen, Wahlsysteme) über die Funktionen von Netzwerken und
sozialen Bewegungen bis zu den Mikroprozessen konkreter Verfahren
und Verhandlungssysteme. In diesem Themenfeld bietet sich auch die
Zusammenarbeit mit der Forschungsprofessur "Governance" (Schuppert)
an, die auch im Zusammenhang mit der neu gegründeten Projektgruppe "Rule
of Law" mit den Abteilungen TKI und DSL kooperiert.
Nichtregierungsorganisationen sind sowohl in der Abteilung TKI wie
in der Forschungsgruppe ZCM ein wichtiges Thema - bei letzteren eher
unter der Perspektive der politischen Mobilisierung und des Agenda
Setting, bei ersterer mit Betonung der Politikformulierung und
-implementierung. Zwischen diesen Arbeitseinheiten bilden auch die
zivilgesellschaftlichen Orientierungen von Wirtschaftsunternehmen
ein gemeinsames Forschungsfeld. Aspekte der Europäisierung von
Öffentlichkeit und des Demokratiedefizits internationalen Regierens
werden von DSL, FG ZCM und der FP Governance komplementär
untersucht. Die historische Dimension von Demokratisierung und
Verfassungsentwicklung wird ebenfalls in der FG ZCM in enger
Kooperation mit der FP Historische Sozialwissenschaften untersucht.
Das geplante Dokumentationszentrum zur Gewaltforschung könnte
ebenfalls im Schwerpunkt angesiedelt werden. Verbindungen zur
Forschungsgruppe ZCM (die die Protestdatenbank ‚Prodat' betreut) und
der Abteilung "Transnationale Konflikte und Internationale
Institutionen" liegen auf der Hand. |
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