Home Home Kontakt Sitemap Suche Impressum English
Zivilgesellschaft, Konflikte und DemokratieTheorie und Geschichte der Demokratie

Zivilgesellschaft, Konflikte und Demokratie






Forschungsprofessur
Theorie und Geschichte der Demokratie

     
Prof. John Keane
 


     
 

In den Sozialwissenschaften sind gegenwärtig empirische und theoretische Bemühungen im Gange, die Legitimationsprobleme, Leistungsdefizite und Qualität zeitgenössischer Demokratien zu erfassen und zu behandeln. In den meisten dieser Fälle liegt jedoch eine grundsätzliche Schwäche in der mangelnden Berücksichtigung der historischen Dimensionen gegenwärtiger Entwicklungstendenzen.

Die Forschungsprofessur unternimmt eine kritische Untersuchung der Geschichte demokratischer Ideen und Institutionen und verbindet dabei analytische Konzepte und historisch-empirische Methoden. Drei sich überlappende Entwicklungsphasen der Demokratie werden untersucht:

das Zeitalter der direkten Demokratie, das in dem geographischen Umkreis des heutigen Mittleren Ostens begann. Es dauert etwa vom Jahr 2500 v. Chr. bis zur Entstehungs- und Reifezeit der Kultur des Islam um 950 n. Chr. sowie, etwa gleichzeitig, der Entstehung und Ausbreitung selbst-regierender Versammlungen in Skandinavien;
 

die Ära der repräsentativen Demokratie, die in der atlantischen Region von der Herausbildung von Institutionen wie regelmäßigen Wahlen, geheimer Stimmabgabe, Frauenwahlrecht und verfassungsmäßigen Grundrechten gekennzeichnet ist. Diese Periode beginnt mit dem militärischen Widerstand gegen den Islam auf der Iberischen Halbinsel, wo im 12. Jahrhundert repräsentative parlamentarische Versammlungen entstanden; sie reicht bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der weitgehenden Auslöschung demokratischer Institutionen und Lebensweisen durch mechanisierten Krieg, Diktatur und totalitärer Herrschaft;

die gegenwärtige, nicht abgeschlossene Phase der komplexen Demokratie, auf die sich besondere Forschungsinteressen richten: Durch eine Serie von Workshops, Seminaren und öffentlichen Vorträgen soll die Renaissance demokratischer Institutionen und Lebensweisen nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso erörtert werden wie die gegenwärtig zu beobachtenden Dysfunktionalitäten in vielen tatsächlich existierenden Demokratien. Gegenstände der Untersuchung sind u.a. der Niedergang der Mitgliedschaft in politischen Parteien und die Wiedergeburt von sozialen Bewegungen und Zivilgesellschaft; die Verbindungen zwischen Medien und Politik; die Verbreitung halb-privater Formen von Governance; oder auch die zunehmenden transnationalen Konfliktlinien, die neuen Formen von Gewalt und die dominante geopolitische Rolle der Vereinigten Staaten.

John Keane ist als wiederkehrender Forschungsprofessor mit einem Viertel seiner Arbeitszeit mit Aufgabenstellungen des WZB befasst und in regelmäßigen Arbeitsaufenthalten in Berlin tätig. Außerdem ist er Professor für Politische Wissenschaft an der ¬University of Westminster (London, jk@johnkeane.net), wo er das ¬Centre for the Study of Democracy (CSD) gegründet hat.

   
 

Letzte Änderung: 2006-06-09 12:51