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Zivilgesellschaft, Konflikte und DemokratieZivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa

Zivilgesellschaft, Konflikte und Demokratie






Forschungsgruppe
Zivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa

         



Zur Entstehung der Forschungsgruppe
 

 

Am 1. Januar 2005 wurde die Forschungsgruppe "Zivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa" (ZCM) eingerichtet. Sie geht hervor aus der Zusammenlegung der Arbeitsgruppen "Zivilgesellschaft: historisch-sozialwissenschaftliche Perspektiven" (ZG) und "Politische Öffentlichkeit und Mobilisierung" (PÖM) und ist in den Forschungsschwerpunkt "Zivilgesellschaft, Konflikte und Demokratie" (ZKD) eingegliedert. Seit 1. Januar 2009 ist die Projektgruppe "Zivilengagement" in die Forschungsgruppe ZCM integriert.


Zur Programmatik

Wie entwickeln und verändern sich institutionelle Rahmenbedingungen, Inhalte, Formen und Akteure von Zivilgesellschaft? Und wie verbindet sich dies mit verschiedenen Formen von Ungleichheit? Das Problem der Ungleichheit, das sich insbesondere in Kämpfen um Anerkennung niederschlägt, wird anhand eines Konzepts von Zivilgesellschaft untersucht, das dessen Ambivalenzen einbezieht.. Empirisch kann die Qualität von Zivilgesellschaft unter anderem daran gemessen werden, wie aktiv und mit welchen Wertvorstellungen Bürger an politischen Belangen des Gemeinwesens teilnehmen. Entsprechend stellen Voraussetzungen, Formen und Wirkungen des öffentlichen Diskurses und der politischen Mobilisierung im Hinblick auf Ungleichheit den Ausgangspunkt der Forschung dar. Europa und Prozesse der Europäisierung werden den regionalen und thematischen Bezugspunkt der Forschung bilden, wobei auch Aspekte der Globalisierung untersucht werden. Die Forschungsgruppe wird sich insbesondere zwei politikrelevanten Bereichen von Ungleichheit widmen, nämlich (1.) rechtlichen und politischen Aspekten von citizenship und (2.) sozialer Ungleichheit. Die Gruppe will historische und systematisch sozialwissenschaftliche Forschung methodisch und thematisch unter dem Motto „History meets sociology“ (Charles Tilly) integrieren. Dabei werden die struktur- und die akteursorientierte Perspektive als komplementär betrachtet.


1. Staatsbürgerschaft / Citizenship

Untersucht wird citizenship als rechtlich-institutionelle Grundvoraussetzung von Zivilgesellschaft im europäischen Rahmen und im Prozess der Europäisierung. Die Analyse von citizenship nimmt die großen, ‚alten’ Fragen der Herausbildung kollektiver Identitäten auf, z.B. die Entstehung von Staaten und Nationen in Abgrenzung von- und gegeneinander. Sie erschließt darüber hinaus ‚neue’ Fragen: insbesondere zur Transnationalisierung, d.h. zu der staatliche und nationale Grenzen überschreitenden Wirkung staatsbürgerlicher Rechte (Menschenrechte, regionale Rechtsstandards). Was ist beispielsweise die Bedeutung und Funktion einer europäischen Staatsbürgerschaft (Unionsbürgerschaft) vor dem Hintergrund multipler und divergenter Identitätsvorstellungen in Europa ?. Was bedeutet „citizenship“ im Kontext europaweiter und über Europa hinausreichender Prozesse von Europäisierung? Neben Prozessen der Annäherung und Konvergenz in Europa sollen auch entgegengesetzte Tendenzen herausgearbeitet werden, d.h. Brüche, Ungleichzeitigkeiten und Rückentwicklungen.


2. Die soziale Frage – neu gestellt.

Die „sociale Frage“ des 19. Jahrhunderts galt mit der Ausformung des modernen Wohlfahrtsstaates als weitgehend gelöst oder zumindest entschärft. Mit dem Um- und Rückbau des Wohlfahrtsstaates in den letzten Jahrzehnten, dem Vordringen neoliberaler Konzepte, der hohen strukturellen Arbeitslosigkeit und vieler damit verbundener Probleme stellt sich die soziale Frage erneut. Ungleichheit (zwischen Statusgruppen, Geschlechtern, Regionen, Ländern – bis hin zur globalen Ebene) wird wieder ein konfliktträchtiges Thema heutiger Gesellschaften. Damit kommt es zu einer Restrukturierung bestehender Konfliktlinien, Verschiebungen innerhalb des Parteiengefüges sowie Veränderungen des Wahl- und Protestverhaltens. Es wird untersucht, welche Dimensionen sozialer Ungleichheit in öffentlichen Debatten und politischen Maßnahmen in verschiedenen Phasen in den Vordergrund rücken. Welche Weltbilder liegen der Rechtfertigung bzw. Skandalisierung sozialer Ungleichheit in verschiedenen Phasen zugrunde? Wie und warum verändert sich die Toleranzschwelle für soziale Ungleichheit im Laufe der Zeit?


3. Projektgruppe Zivilengagement

Im Jahr 2008 wurde unter Leitung von Eckhard Priller das durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Projekt „Potenziale und Grenzen von Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement in Deutschland“ begonnen. Durch das Projekt sollen Wissenslücken über das zivilgesellschaftliche Engagement geschlossen und wissenschaftspolitische Schlussfolgerungen zur weiteren Erforschung der Thematik erarbeitet werden.
Im Zentrum des Projekts steht die Erstellung eines Berichts zur Lage und den Perspektiven des Zivilengagements in Deutschland. Der Bericht will klären, welchen Beitrag ziviles Engagement unter den Bedingungen des gesellschaftlichen Wandels leisten kann. Im Mittelpunkt stehen dabei das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen von Familie und Engagement. Der Bericht hat drei Ziele: Erstens soll er den Ist-Zustand bilanzieren, zweitens künftige Aufgabenfelder und Entwicklungstrends des Zivilengagements benennen, und drittens sollen Handlungsempfehlungen für die Politik, die zivilgesellschaftlichen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen entstehen. Erste Ergebnisse werden im Frühsommer 2009 vorliegen. > Weitere Informationen

  Leiter
  Priv.-Doz. Dr. Dieter Gosewinkel
  und
  Prof. Dr. Dieter Rucht


 
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Letzte Änderung: 2009-01-21 14:09