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Studioleben und Neuheit: Verteilte Kreativität und Wertungsregime in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Projektleitung
Laufzeit
1/2009–12/2014

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Produktionsprozessen in zwei Bereichen der Kreativwirtschaft, und zwar der bildenden Kunst und der Architektur. Dabei geht es einerseits um die Untersuchung der soziotechnischen Konfiguration kreativer Prozesse in Künstlerateliers und Architekturbüros, also um das Zusammenwirken von menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren in den Praktiken des Entwerfens, Gestaltens und Produzierens neuer Produkte. Andererseits stehen die vielfältigen Wertungsregime und Bewertungspraktiken, mit denen der Wert eines Produkts festgelegt wird, im Fokus des Interesses und insbesondere die Frage, ob und wie in unterschiedlichen Stadien des Produktionsprozesses auch jeweils andere Wertungsregime verhandelt werden. Das Forschungsprojekt leistet damit einen Beitrag zur Definition der Rolle bestimmter kultureller Konfigurationen (hier im weitesten Sinne verstanden als Gefüge von soziotechnischen Akteursnetzwerken und Wertungsregimen) bei der Entstehung von Neuem.

Ausgehend von einem empirischen Ansatz, der ethnographischen Beobachtung von Künstlerateliers und Architekturbüros (räumlich begrenzten kulturellen Konfigurationen), hat das Forschungsprojekt auch zum Ziel, den Einfluss des urbanen Milieus (also von räumlich fluiden kulturellen Konfigurationen) auf die Entstehung von neuen Produkten nachzuzeichnen, und so zu einem besseren Verständnis der städtischen Ent-/Einbettung von Kulturproduktion beizutragen.

Das methodische Vorgehen basiert auf drei Grundsatzentscheidungen: Zunächst galt es, Zweige der Kreativwirtschaft auszusuchen, die für eine Analyse und einen Vergleich verschiedener Konfigurationen kreativer Produktion geeignet sind. Die Wahl fiel auf Kunst und Architektur, weil es sich dabei um zwei sehr unterschiedliche Konfigurationen in der Kreativwirtschaft handelt. Zweitens beruht jede Branchenstudie auf einer kleinen Anzahl von Fallstudien, um die Herstellung von Produkten, die Rolle von Neuheit als Wertungsregime und den Einfluss des urbanen Milieus primär im Zusammenspiel von insgesamt sechs bis acht Künstlerateliers und Architekturbüros zu untersuchen. Die Fallstudien dienen dabei nicht einem direkten Vergleich, sondern liefern sich gegenseitig ergänzende Einblicke in die Arbeitsprozesse von Künstlern und Architekten. Drittens wurde für jede Branche eine Stadt ausgesucht, in der diese eine bedeutende Position einnehmen. Für die Kunst fiel die Wahl dabei auf Berlin, für die Architektur auf Santiago de Chile. Interessant daran ist, dass beide Städte sich durch die Anwesenheit einer relativ großen jungen, experimentierfreudigen Szene, die sich künstlerisch und kreativ betätigt, auszeichnen. Zur Rekonstruktion der Geschichte, Geographie und Dynamik dieser Industrien werden vor Ort Interviews mit Experten und maßgeblichen Akteuren durchgeführt.

In der laufenden Projektphase (2009–2011) sind die Durchführung der empirischen Studien, die Analyse der Fallstudien (6 bis 8 Studien in Ateliers und Architekturbüros, 30 bis 40 Interviews) sowie die vorläufige Systematisierung der Ergebnisse für beide Industriezweige vorgesehen.