Projekt Projekt
Drucken
-A +A

Spielarten des Neoliberalismus, Austeritätskapitalismus, Ungleichheit: von nationalen Bürgerrechten zu globaler Wettbewerbsfähigkeit?

Projektleitung
Laufzeit
seit 2014
Förderung
Eigenmittel WZB, Drittmittel
Kooperationen
Stephen McBride, McMaster University, Hamilton (Canada)
Philip Mirowski, Notre Dame University, South Bend (USA)
Quinn Slobodian, Wellesley College, Boston (USA)
Roger Backhouse, University of Birmingham (UK)

Mit der Fordismuskrise der 1970er Jahre stieß das zunehmend auf nationale Wohlfahrtsstaaten gestützte ökonomische Entwicklungsmodell der Nachkriegszeit an seine Grenzen. Beschleunigte und intensivierte Globalisierung, in Europa das über den Binnenmarkt sowie die vollständige Wirtschafts- und Währungsunion gesteuerte Deregulierungs- und Austeritätsprojekt wirkten be- und einschränkend auf die etablierten Wohlfahrtsregime. Normative Leitbilder der Standortkonkurrenz, der Wettbewerbsfähigkeit und des individualistischen Unternehmertums drängten vorherige an zunehmender sozialer Gleichheit und sozialen Bürgerrechten (social citizenship) orientierte Leitbilder zurück. Löst also ein neues Modell des Austeritätskapitalismus das Zeitalter des Wohlfahrtsstaatskapitalismus ab? Wie verändern sich in diesem Zusammenhang die Wohlfahrtsregime und wie können sowohl gemeinsame als auch in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Entwicklungen erklärt werden? Operationalisiert und empirisch vergleichend untersucht werden (in Zusammenarbeit mit internationalen Projektpartnern) Veränderungen von Klassen- und Kräfteverhältnissen, staatlich-institutionelle Konfigurationen und Diskursstrukturen, um Richtung und Geschwindigkeit der Transformation sowie die sich herausbildenden Varianten des Austeritätskapitalismus genauer zu bestimmen. Das Projekt wird einerseits in Zusammenarbeit mit Prof. Stephen McBride von der McMaster University in Hamilton, Canada, durchgeführt. Ein „Partnership Development Grant“ wurde im Herbst 2015 beim kanadischen Social Science and Humanities Research Council eingereicht. Andererseits wird die Forschung zu neoliberalen Diskurskonstellationen mit Fokus auf Varianz und Relevanz neoliberaler Leitbilder in verschiedenen Forschungs- und Publikationsprojekten durchgeführt, die im Folgenden kurz erläutert werden.


Einzelprojekte (kofinanziert):

Mit-Herausgeber eines Sammelbandes zum Thema „Ökonomen und der Wohlfahrtsstaat“
Vergleichende Länderstudien zu ökonomischem Denken und Wohlfahrtsregimen in Deutschland, Japan und Großbritannien von 1950 bis heute; Beiträge zur transnationalen Dimension von Ökonomen und Wohlfahrtsdiskursen.
Zur Begutachtung bei Oxford University Press: Backhouse, Roger, Bateman, Bradley W., Nishizawa, Tamotsu, Plehwe, Dieter (Hgs.) Economists and the Welfare State.

Weitere Wege von Mont Pèlerin (WZB-Konferenz, 20.-22. März 2016)
Das Konferenz- und Publikationsprojekt in Zusammenarbeit mit Quinn Slobodian und Phil Mirowski zielt auf die Untersuchung und Diskussion der weltweiten Hintergründe, Quellen und Umsetzungen neoliberalen  Denkens.

German Variety of Neoliberal Thought (Die deutsche Spielart neoliberalen Denkens)
Eine Untersuchung zur Geschichte und Entstehung des Konzeptes der Weltwirtschaft am Kieler Weltwirtschaftsinstitut: Das Zusammenführen der deutschen geographischen Ökonomieperspektive und des  österreichischen Marginalismus (in Kooperation mit Quinn Slobodian).

Europäische Austeritäts-Think Tanks
Untersuchung von sechs Think Tank-Netzwerken europäischer Parteienstiftungen (radikale linke, sozialdemokratische, grüne, liberale, konservative, neue rechte), um wirtschaftspolitische Think Tanks generell, und darunter speziell austeritätsorientierte Think Tanks, zu identifizieren. Vorbereitung eines EU-Antrags zur Untersuchung der wirtschaftspolitischen Beratungstätigkeit von Think Tanks (in Kooperation mit Hartwig Pautz, University of West Scotland, und anderen europäischen Netzwerkpartnern).

Publikationen
  • Plehwe, Dieter (2014): "Neoliberalismus und kein Ende. Seit 1989 gibt es keine Alterantiven mehr". In: WZB-Mitteilungen, H. 146, S. 26-29.
  • Dieter, Plehwe/Katja, Walther (2014): "In the Shadows of Hayek and Friedman. Quantitative Analysis as an Exploratory Instrument in Socio-Historic Network Research". In: Hagen Schulz-Forberg/Niklas Olsen (Eds.): Re-Inventing Western Civilisation. Transnational Reconstructions of Liberalism in Europe in the Twentieth Century. Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, S. 41-68.