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Genese und Entwicklung präventiver Gesundheitsvorsorge in Deutschland (1918-1995)

Laufzeit
2007 - 2010
Förderung
BMBF

Das Teilprojekt untersucht, in welcher Form und unter welchen sozialen, kulturellen und ökonomischen Bedingungen sich die Leitbilder der Gesundheitsprävention seit der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts entwickelt haben. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit chronischen Krankheiten, insbesondere die für die heutige Gesundheitsvorsorge paradigmatische Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Methodisch knüpft das Teilprojekt an aktuelle Ansätze der Wissenschafts- und der Verwaltungsgeschichte, ergänzend auch der Oral History, an. Für die national vergleichenden Fragen werden außerdem die Ansätze der Vergleichs- und Transfergeschichte berücksichtigt. Die Untersuchung gründet auf einer historisch-quellenkritischen Rekonstruktion von Archivakten und publizierten Dokumente.

Transformationen der Gesundheit zwischen Politik und Kultur – Praktiken der Prävention im europäischen Vergleich (20. Jahrhundert)


Internationale Tagung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
24./25. Juli 2008
Kontakt: Martin Lengwiler,  Jeannette Madarász

Inhalt
Die gesellschaftlichen Vorstellungen von Gesundheit haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts in Europa fundamental verändert. Noch um 1900 dominierte die Bekämpfung epidemischer Krankheiten durch eine etatistisch-moralisierende Prävention den gesellschaftlichen Gesundheitsdiskurs. Seit dem Ersten Weltkrieg schoben sich zunehmend individualisierende Ansätze der Gesundheitsprävention in Verbindung mit dem neuen Fokus auf chronische Krankheiten (z.B. Herzkreislauf-Krankheiten) in den Vordergrund. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde Gesundheit schließlich zu einem alltagskulturell eingebetteten Element konsumgesellschaftlicher Lebens- und Ernährungsstile. Zu den Faktoren, die diese Transformationen von Gesundheitspolitik und Gesundheitskultur prägten, gehören die Forschungskonjunkturen der Medizin mit ihren wechselnden Kausalitäts- und Risikomodellen, der Wandel der gesundheitspolitischen Institutionen zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen (Lebensreform, Patientenvereinigungen etc.) und der Ausdifferenzierung sozialstaatlicher Einrichtungen, schließlich auch die veränderten kulturellen Deutungshorizonte für gesundheitsrelevante Ernährungs- und Verhaltensweisen, vor allem im Kontext der sich ausbreitenden Konsumgesellschaft. Die Tagung verfolgt zwei Ziele. Sie zeichnet einerseits in kulturhistorischer und historisch-anthropologischer Perspektive die großen Züge der westeuropäischen Gesundheitsdiskurse nach, wobei die Entwicklung im 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts kontrastiert wird. Gestützt auf Ansätze der Vergleichs- und der transnationalen Geschichte untersucht die Tagung andererseits die binneneuropäischen Variationen der Gesundheitsvorstellungen, zwischen west- und osteuropäischen und zwischen nord- und südeuropäischen Staaten, sowie das Ausmaß und die Folgen der gesundheitspolitischen Europäisierungsprozesse seit den 1950er Jahren.

Die Konferenz wurde im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsverbundes Präventives Selbst organisiert.

Zeitzeugen-Workshop zum Thema "Die Entwicklung der Sozialmedizin in Deutschland"


Am Freitag, den 4. April, fand der Zeitzeugen-Workshop zum
Thema "Die Entwicklung der Sozialmedizin in Deutschland" statt.

Unsere Gäste:
Prof. Dr. Johannes Siegrist
Prof. Dr. med. Dr. Phil. Heiko Waller
Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz
Prof. Dr. Dr. Alf Trojan
und Prof. Dr. Rolf Rosenbrock.

Moderation: Jeannette Madarász und Martin Lengwiler.