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Wirtschaftseliten zwischen Konkurrenzdruck und gesellschaftlicher Verantwortung

Mitarbeiter/innen
Christian Galonska
Laufzeit
2002
Förderung
BMBF

Gemeinschaftsprojekt der Universität Bielefeld und des WZB zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wirtschaftseliten. Das Projekt ist Teil des interdisziplinären Forschungsverbundes „Stärkung von Integrationspotenzialen einer modernen Gesellschaft“.

Forschungsfragen:
Das Projekt untersucht die Frage, wie sich Wirtschafteliten in der Bundesrepublik Deutschland zu über den ökonomischen Kontext hinausreichenden gesellschaftlichen und politischen Fragen verhalten, und zwar nicht nur verbal, sondern auch in Form konkreter Handlungen. Begründung: Wirtschaftseliten wird unterstellt, dass sie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung unter dem Vorwand zunehmenden Konkurrenzdrucks (insbesondere unter Verweis auf die Globalisierung) verweigern und ein neoliberales Modernisierungskonzept verfolgen, in welchem die Machtverhältnisse zwischen Politik und Wirtschaft zu ihren eigenen Gunsten verschoben werden (siehe vielfältige Veröffentlichungen zu diesem Thema unter dem Motto „Terror der Ökonomie“, Globalisierungskritik usw.). Ihre Macht erhalten Wirtschaftseliten dadurch, dass sie Entscheidungen treffen, deren Wirkungen über den direkten ökonomischen Kontext hinausreichen und von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung sind, z.B. durch die Unterstützung politischer Kandidaten und Parteispenden, Standortentscheidungen zu Unternehmensansiedlungen, Einstellung oder Entlassung von abhängig Erwerbstätigen. Durch die instrumentelle Nutzung dieser Macht sehen Kritiker das für die westliche Nachkriegsgesellschaft konstitutive Bündnis von sozialer Marktwirtschaft, Wohlfahrtsstaat und Demokratie bedroht. Allerdings wurde diese Behauptung bisher nicht durch die Erfassung systematischer Informationen belegt. Diese Lücke soll durch die empirisch gestützte Beantwortung der folgenden Forschungsfragen geschlossen werden:
(1) Wie beschreiben Wirtschaftseliten das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft?
 (2) Welche gesellschaftlichen Leitbilder vertreten Wirtschaftseliten?
(3) Wie definieren Wirtschaftseliten ihre eigene gesellschaftliche Verantwortung?
(4) Wie nehmen Wirtschaftseliten gesellschaftliche Verantwortung konkret wahr?

Forschungsmethoden:
Die Forschungsarbeit ist nicht hypothesengeleitet, sondern hat explorativen Charakter. Zur Strukturierung der empirischen Arbeit wird lediglich angenommen, dass die Beantwortung der Forschungsfragen in zeitlichen und räumlichen Dimensionen variiert. Es findet eine Arbeitsteilung zwischen den Standorten Berlin und Bielefeld statt: - Die zeitliche Dimension wird unter Einsatz einer eher quantitativ orientierten Inhaltsanalyse von überregionalen Tageszeitungen sowie Dokumenten von Wirtschaftseliten (SZ, FAZ) in verschiedenen Jahrgängen (1965, 1976, 1983, 1990, 1998, 2002) untersucht. Die-se Arbeit findet am Standort Berlin statt. - Für die räumliche Dimension ist der Standort Bielefeld zuständig. Es werden je 10 teilstrukturierte Interviews mit lokalen Wirtschaftseliten in vier ausgewählten Regionen (wirtschaftlich prosperierend/wirtschaftlich abgehängt, alte/neue Bundesländer) geführt sowie 10 weitere mit Vertretern der Spitzen- und verschiedener Branchenverbände.

Erste Ergebnisse (nur auf Basis der Inhaltsanalyse):
 Erarbeitung eines Kategoriensystems „Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung“
- Thematisierung der gesellschaftlichen Verantwortung von Wirtschaftseliten nimmt im Zeitverlauf stark zu (um das zwei- bis dreifache)
- Umweltschutz ist die quantitativ wichtigste Streitfrage
- Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme war im Wiedervereinigungsjahr am größten
- Wirtschaftseliten ziehen sich seitdem zunehmend auf unverbindliche Positionen zurück.