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Personalsysteme in den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China)

Projektleitung
Mitarbeiter/innen
Florian Becker-Ritterspach
Laufzeit
01.09.2008 - 30.06.2012
Kooperationen
Das Projekt wird mit Unterstützung der VW AutoUni und in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern von der Universität Belo Horizonte (Brasilien), Universität Sao Paulo (Brasilien) und Universität Jilin (China) durchgeführt.

Wie entwickelt sich Industriearbeit in den „emerging markets“ Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC)? Das Projekt untersucht, ob multinationale Unternehmen durch Standardisierung der Personalsysteme zu einer Konvergenz der Entwicklungspfade der Industriearbeit in den Triade-Staaten und den „emerging markets“ beitragen, oder ob sich die Divergenz unterschiedlicher „worlds of work“ abzeichnet.

Ausgangspunkt des Projekts ist die Hypothese, dass die Unterstützung durch das Personalsystem eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Produktionssystems eines Unternehmens ist. Deutlich wird das am Toyota Produktionssystem (TPS), das mittlerweile von sehr vielen Unternehmen weltweit nachgeahmt wird. Dieses Produktionssystem wird in Japan von genau abgestimmten Prozessen der Personalauswahl, Teamorganisation, Personalentwicklung und Anreizgestaltung getragen. Bisherige Forschung zu Produktionssystemen geht allerdings nur am Rande auf die Interdependenz zwischen Personal- und Produktionssystemen ein und konzentriert sich zudem fast ausschließlich auf Unternehmen in den Triade-Staaten. Mit dem Fokus auf diese Interaktion und mit einem Vergleich von Personalsystemen in den wichtigsten Schwellenländern erschließt das Forschungsprojekt konzeptionell und empirisch Neuland.

Die Untersuchung kombiniert zwei vergleichende Perspektiven: Den Vergleich deutscher, japanischer und einheimischer Automobilhersteller in jedem der BRIC-Länder und den Vergleich der BRIC-Länder untereinander. Japanische Hersteller wurden für den Vergleich mit deutschen Unternehmen wegen der Vorbildrolle des TPS in der Branche und wegen des Rufs der japanischen Unternehmen als Vorreiter einer erfolgreichen transnationalen Standardisierung ihrer Produktionssysteme ausgewählt. Durch die Einbeziehung lokaler Automobilhersteller in den BRIC-Ländern sollen auch einheimische Praktiken des Personalmanagements erfasst werden. Die wichtigsten theoretischen Bezugspunkte des Projekts sind die International Human Resources Management-Forschung, die sich mit dem Transfer von Managementstandards innerhalb multinationaler Unternehmen beschäftigt, und die Forschung über den Transfer von Produktionssystemen durch multinationale Unternehmen.

Die Forschungsfragen des Projekts beziehen sich auf vier zentrale Aspekte der Personalsysteme und sind im Anschluss an die Forschung über personalbezogene Erfolgsursachen des TPS entwickelt worden:

  • Rolle der Personalfunktion: Welche Rolle haben die zentrale und die lokale Personalfunktion bei der Formulierung von Standards? Wie ist die Kooperation zwischen der Personal- und der Produktionsfunktion im Hinblick auf die Definition von Standards gestaltet?
  • Anreizsysteme und Personalentwicklung: Gibt es strukturierte Entwicklungswege im Unternehmen, auch für Arbeiter? Wie werden Entwicklungswege und Karrieren gesteuert (Beurteilungs- und Auswahlverfahren) und welche Anreizwirkungen gehen von ihnen im Hinblick auf Leistung, Lernen und Kooperation aus? Welche Erwartungen haben die Beschäftigten in den BRIC-Ländern an Entwicklungsmöglichkeiten, welche Erwartungen an Leistungsgerechtigkeit und Fairness der Anreizsysteme?
  • Funktions- und statusgruppenübergreifende Kooperation: Wie gestalten deutsche, japanische und einheimische Unternehmen in den BRIC-Staaten Arbeitsorganisation und Prozessoptimierung? Wie wird die Einsozialisierung, die soziale Kohäsion und Kontrolle im Team durch die kulturellen Normen und durch die betrieblichen Prozesse unterstützt? Wie wirken sich Führungsstile und kulturelle Statusdifferenzen (z.B. Arbeiter/Angestellte, Angelernte/Facharbeiter) auf die Kooperation zwischen Teams und Vorgesetzten sowie zwischen Teams und unterstützenden Bereichen aus?
  • Partizipation und Interessenvertretung: Werden partizipative Formen der Arbeitsorganisation von den Unternehmen in die BRIC-Länder transferiert oder dominiert die Anknüpfung an traditionelle Autoritätsvorstellungen? Welche Ansprüche an Selbstorganisation bzw. welche Hierarchieorientierung äußern die Beschäftigten? Wie wirken sich die landesspezifischen Institutionen der industriellen Beziehungen in den Betrieben aus?

Publikationen
  • Krzywdzinski, Martin (2017): "Accounting for Cross-Country Differences in Employee Involvement Practices. Comparative Case Studies in Germany, Brazil and China". In: British Journal of Industrial Relations, Vol. 55, No. 2, S. 321-346. (vorab online publiziert 03.03.2017)
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2016): New Worlds of Work. Varieties of Work in Car Factories in the BRIC Countries. Oxford ; New York, NY: Oxford University Press, XVII, 345 S.
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2016): Neue Arbeitswelten. Wie sich die Realität in den Automobilwerken der BRIC-Länder verändert. Frankfurt a.M./New York, NY: Campus.
  • Krzywdzinski, Martin (2017): "Multinationale Unternehmen". In: Stefan Liebing/Wenzel Matiaske/Sophie Rosenbohm (Hg.): Handbuch Empirische Organisationsforschung. Reihe Springer Reference Wirtschaft. Wiesbaden: Springer Gabler, S. 723-746. (vorab online publiziert 23. 07.2016)
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2015): "Competence Development on the Shop Floor and Industrial Upgrading. Case Studies of Auto Makers in China". In: The International Journal of Human Resource Management, Vol. 26, No. 9, S. 1204-1225. (Vorab online publiziert 16. Juli 2014)
  • Mählmeyer, Valentina (2015): "Demokratisierung von außen. Warum das deutsche Modell der Mitbestimmung in Russland auf Widerstand stößt". In: WZB-Mitteilungen, H. 149, S. 24-27.
  • Krzywdzinski, Martin/Jürgens, Ulrich (2014): "Varianten der Annäherung. In Chinas Auto-Industrie sind globale Standards erkennbar - und eigene Traditionen". In: WZB-Mitteilungen, H. 144, S. 26-28.
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2013): Globale und lokale Strategien. Die Autobranche in den BRIC-Ländern modernisiert sich. WZBrief Arbeit 17/September 2013. Berlin: WZB.
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2013): "Breaking off from Local Bounds. Human Resource Management Practices of National Players in the BRIC Countries". In: International Journal of Automotive Technology and Management, Vol. 13, No. 2, S. 114-133.
  • Jürgens, Ulrich/Krzywdzinski, Martin (2013): "Global oder lokal? Produktions- und Personalsysteme lokaler Automobilhersteller in den BRIC-Ländern". In: Martina Maletzky/Martin Seeliger/Manfred Wannöffel (Hg.): Arbeit, Organisation und Mobilität. Eine grenzüberschreitende Perspektive - Festschrift für Ludger Pries. Frankfurt a.M./New York, NY: Campus, S. 291-321.
  • Jürgens, Ulrich (Eds.) (2012): Human Resource Management and Labour Relations in the BRICs. A Review of the Research Literature. AutoUni - Schriftenreihe, Vol. 29. Berlin: Logos Verlag, 129 S.
  • Hao, Yan (2012): The Reform and Modernization of Vocational Education and Training in China. WZB Discussion Paper SP III 2012-304. Berlin: WZB.
  • Rai, Soumi (2012): Human Resource Management and Labour Relations in the Indian Industrial Sector. WZB Discussion Paper SP III 2012-301. Berlin: WZB.
  • Shulzhenko, Elena (2012): Human Resource Management and Labour Relations in the Post-Transitional Russia. WZB Discussion Paper SP III 2012-303. Berlin: WZB.
  • Yu, Nan (2012): All in Transition - Human Resource Management and Labour Relations in the Chinese Industrial Sector. WZB Discussion Paper SP III 2012-302. Berlin: WZB.
  • Krzywdzinski, Martin (2011): "Neuordnung der Macht. Die industriellen Beziehungen in Russlands Autoindustrie wandeln sich". In: WZB-Mitteilungen, H. 133, S. 29-33.