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Zwischen digitaler Bohème und Prekarisierung. Arbeit und Leistung in der Crowd

Mitarbeiter/innen
Laufzeit
01.07.2016 - 30.06.2019
Förderung
Fritz Thyssen Stiftung

Mit der digitalen Arbeit in der Crowd entsteht eine neue Art der Arbeit, die global verteilt und internetbasiert ist. Trotz der hohen sozialen und ökonomischen Relevanz von Crowdwork gibt es bislang jedoch nur fragmentarische empirische Evidenz über ihre Verbreitung und Funktionsweise. Aus der Sicht der Erwerbstätigen stellt sich die Frage, welche Faktoren Crowdwork trotz der mit ihr verbundenen Unsicherheit attraktiv machen. Aus der Sicht der Unternehmen sind die Kontrolle der Arbeitsqualität und der Datensicherheit sowie der Erfahrungs- und Wissensaustausch schwierig zu organisieren.

Bislang existiert kaum belastbares und systematisches Datenmaterial über die Mechanismen der Leistungsregulierung und die Wahrnehmung der Arbeitssituation durch die Crowdworker. Die Befunde der wenigen existierenden Studien deuten darauf hin, dass die Crowdwork-Plattformen neuartige Mechanismen der Leistungsregulierung entwickeln und damit eine neue gesellschaftliche Form der Arbeit prägen. Im Bereich der Mikroaufgaben wird an automatisierten Kontrollen der Arbeit und der Schaffung selbstgesteuerter Bewertungen durch Peers und Reputationsmesssysteme gearbeitet. Im Bereich komplexer Makroaufgaben ist ein auf Wettbewerben beruhender Modus der Leistungsregulierung entstanden.

Wir erwarten zugleich, dass Crowdwork aus unterschiedlichen Motiven aufgenommen wird, wobei wir vor allem zwei Grundmotive annehmen. Das erste Grundmotiv ist rein praktisch: Crowdwork wird von Personen aufgenommen, die aufgrund ihrer beschränkten räumlichen und zeitlichen Mobilität bzw. anderer Einschränkungen oder Benachteiligungen keinen Zugang zu anderen Beschäftigungsformen haben und daher auf diese Form internetbasierter Arbeit angewiesen sind. Das zweite Grundmotiv ist für einen Personenkreis charakteristisch, der plakativ als „digitale Bohème“ bezeichnet wird.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt zwei zentrale Forschungsfragen:

1. Wie wirken sich die Mechanismen der Leistungsregulierung in der Crowdwork auf die objektiven Arbeitsbedingungen und die subjektive Wahrnehmung der Arbeitssituation der Crowdworker aus?

2. Wie wirkt sich der soziokulturelle Hintergrund der Crowdworker auf die Motive für und Attraktivität der Crowdwork aus?

Das Projekt untersucht die Leistungsregulierung und die Arbeitsbedingungen in deutschen und amerikanischen Crowdwork-Plattformen. Es kombiniert qualitative, leitfadengestützte Interviews mit einer Befragung unter Crowdworkern unterschiedlicher Plattformen. Das übergreifende Ziel des Forschungsprojekts ist es, durch eine differenzierte empirische Analyse der Arbeitssituation und der Leistungsregulierung in der Crowdwork Schlussfolgerungen über die potentielle Verbreitungsdynamik zu entwickeln und vorhandene theoretische Interpretationen der Crowdwork als neue Form der Arbeit zu überprüfen.

Publikationen
  • Gerber, Christine/Krzywdzinski, Martin (2017): "Schöne neue Arbeitswelt? Durch Crowdworking werden Aufgaben global verteilt". In: WZB-Mitteilungen, H. 155, S. 6-9.