Projekt Projekt
Drucken
-A +A

Die Funktion wissenschaftlichen Wissens im politischen Diskurs (Promotionsprojekt)

Forschungsthemen
Innovation, Wissen(schaft) und Kultur
Mitarbeiter/innen
Laufzeit
seit 03/2012
Förderung
Universität Bielefeld

Abstract

Das Forschungsvorhaben will sich mit wichtigen Kernelementen der „Neuen Governance der Wissenschaft“ auseinandersetzen. Dazu gehört die eingehende Analyse der praktizierten LOM-Verfahren und ihrer Wirkungen, die Analyse der Handlungsstrategien der Akteure im Gefolge der Einführung von LOM-Systemen, die Verortung von LOM-Verfahren in spezifischen Governance-Arrangements auf der Mikro- und Mesoebene, die theoretische Einordnung der empirischen Befunde und auch ein praktisch verwertbares Reflexionswissen
für die Um- und Neugestaltung von LOM-Verfahren. Seit Ende der 1990er Jahre wurden nach und nach an allen medizinischen Fakultäten LOMVerfahren eingeführt. Mittlerweile wird an allen medizinischen Fakultäten ein Teil des Landeszuführungsbetrages sowohl in der Lehre als auch in der Forschung leistungsorientiert vergeben. Die verwendeten Indikatoren reichen dabei von nach Förderquelle gewichteten Drittmittelsummen über gewichtete Summen der Journal Imact Factors (JIF) bis hin zu „qualitätsorientierten“ Faktoren, welche die Anzahl der Zitationen pro Publikation berücksichtigen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Verfahren liegt das Schwergewicht auf den Forschungsleistungen. Da inzwischen auch in anderen Disziplinen (mit steigender Tendenz) LOM-Verfahren eingesetzt werden (vgl. Jaeger 2006), sind die Ergebnisse des Vorhabens auch über die Medizin hinaus von Interesse.


Forschungsfrage

Inwieweit beeinflussen neue Steuerungsverfahren in der Universitätsmedizin den Konflikt zwischen Verwissenschaftlichung und Praxisentwicklung in der klinischen Forschung?

Im Zusammenspiel von Verwissenschaftlichung, zunehmender politischer Regulierung und Verwirtschaftlichung der Medizin entstanden historisch Konflikte, die bis heute andauern. Diese treffen v.a. die klinische Forschung, weil diese an der Schnittstelle von Wissenschaft und Krankenversorgung (und damit Wirtschaft und Politik) angesiedelt ist. Die Entstehung neuer Steuerungsverfahren, hier verstanden als Verfahren der Handlungskoordinierung, die Steuerung über Aushandlungen und Anreize neben alte Steuerungsverfahren von Regelsetzung und Anweisung stellen, könnten Effekte auf diese Konflikte haben. Die Dissertation untersucht, ob dies der Fall ist. In meiner Dissertation werde ich zuerst die Verwissenschaftlichung der Medizin darstellen und dann erörtern, welche Konflikte zwischen Verwissenschaftlichung und Praxisentwicklung speziell in der klinischen Forschung bestehen. Verwissenschaftlichung bezeichnet hier den Entwicklungsprozess der Wissensproduktion, innerhalb dessen sich theoretische (anfangs: mytische) Vorstellungen von der Realität (hier: der menschlichen Krankheit und Gesundheit) zunehmend stärker mit empirisch messbaren Beobachtungen decken. Danach werde ich das System der Steuerungsverfahren beschreiben, das die Universitätsmedizin bis zum Aufkommen der neuen Steuerungsverfahren reguliert hat und dann die neuen Steuerungsverfahren einführen. Ich werde am Beispiel der Leistungsorientierten Mittelvergabe die Effekte neuer Steuerung in der Medizin diskutieren und verdeutlichen, welche Einflüsse neue Steuerungsverfahren auf den Konflikt zwischen Verwissenschaftlichung und Praxisentwicklung in der klinischen Forschung haben könnten. Ich werde dann mittels der Ergebnisse aus leitfadengestützen Interviews aufzeigen, welche dieser Einflüsse tatsächlich von klinischen Forscher/innen wahrgenommen werden und wie sie mit den neuen Steuerungsverfahren umgehen. Abschließend werde ich einige Thesen zum Einfluss neuer Steuerungsverfahren in der Universitätsmedizin auf den Konflikt zwischen Verwissenschaftlichung und Praxisentwicklung in der klinischen Forschung vorstellen.

Links
Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ)