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Politisierung internationaler Institutionen (Buchprojekt)

Gegenstand

Ausgangspunkt der Politisierungsthese bildet die Beobachtung, dass (welt )gesellschaftliche Akteure zunehmend Macht und Legitimitätsfragen globalen Regierens aufwerfen. Sie zeigen sich in einem Maße zu Kritik und Widerstand bereit, das internationale Organisationen (wie Weltbank), suprastaatliche Institutionen (EU) oder Unternehmen (etwa Adidas) erkennbar unter Zugzwang geraten lässt. Gleichzeitig nutzen sie internationale Organisationen und Foren, um ihre politischen Ziele zu betreiben.
Die Abteilung hat diese These in Zeitschrift für Internationale Beziehungen (1/2007) sowie in Aus Politik und Zeitgeschichte (20-21/2007) zur Diskussion gestellt. Vier namhafte Kollegen veröffentlichten in der Frühjahrsausgabe 2008 der Zeitschrift für Internationale Beziehungen ausführliche Repliken, zu denen wiederum die Abteilung in derselben Ausgabe Stellung bezog.
Folgende Abteilungsprojekte sind hieran beteiligt: In vier empirischen Fallstudien zur Politisierung des UN-Sicherheitsrats (Martin Binder), der Weltgesundheitsorganisation WHO (Lora Viola), der Nachhaltigkeitspolitik der Weltbank (Helmut Weidner) sowie des OECD-Steuerregimes (Thomas Rixen) wird die Politisierungsthese empirisch geprüft und weiterentwickelt. Insbesondere wird geprüft, inwiefern – wie in der Politisierungthese behauptet – (a) eine verstärkte gesellschaftliche Kritik an der mangelnden Legitimität internationaler Institutionen zu beobachten ist und (b) ob diese Kritik tatsächlich (und in welcher Form) zu institutionellem Wandel führt. Darüber hinaus befasst sich das WZB-Kooperationsprojekt „Denationalisierung von Problemwahrnehmungen und die Attribution von Handlungsverantwortung an politische Institutionen“ (Matthias Ecker-Ehrhardt, Michael Zürn, TKI; Bernhard Wessels, Wolfgang Merkel, DSL) mit den sozialpsychologischen Grundlagen der Politisierungsthese.
Erste Ergebnisse dieser Forschung wurden im 03 2008 auf einem von der Abteilung ausgerichteten Workshop zur Diskussion gestellt, der von der Thyssen-Stiftung großzügig unterstützt wurde. Teilnehmer und Beiträger waren namhafte Kollegen aus den Bereichen Internationale Beziehungen, Soziologie, Politologie und Geschichtswissenschaft. Der Ertrag wird als Sammelband in der Edition Suhrkamp (2010) veröffentlicht.