Prekäre Beschäftigung, ihre Gestalt und Bedeutung im Lebenslauf und die Konsequenzen für die Strukturierung sozialer Ungleichheit. Existiert ein verfestigtes ‚Prekariat‘?

Abstract

Die Zahl atypisch Beschäftigter nimmt über die Zeit langsam aber stetig zu. Dies ist ein Problem, da viele Formen atypischer Beschäftigung keine ausreichende finanzielle Grundlage und/oder Beschäftigungssicherheit bieten. Dennoch kann atypische Beschäftigung nicht ohne weiteres mit  prekären Lebenslagen gleich gesetzt werden. Das Projekt beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Formen atypischer Beschäftigung zu prekären Lebenslagen führen.  Die geplante Quantifizierung von prekärer Beschäftigung im Lebensverlauf, die Beschreibung typischer prekärer Erwerbsverläufe und die Analyse der Unsicherheiten, denen prekär Beschäftigte ausgesetzt sind, ermöglichen eine Neubewertung der aktuellen Regulierung von Beschäftigung und der Institutionen der sozialen Sicherung. Finden wir ein verfestigtes ‚Prekariat‘, welches die Inklusionskraft und Legitimität der sozialen Marktwirtschaft in Frage stellt? Decken die erwerbsbasierten sozialen Sicherungssysteme, wie Arbeitslosigkeits-, und Rentenversicherung, die im gewandelten arbeitspolitischen Regulierungszusammenhang entstandenen Risiken der Beschäftigten noch ausreichend ab?

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Frage, in welchem Umfang Individuen und Haushalte mit dauerhaften oder kurzfristigen prekären Lebenslagen umgeben sind und wie diese Lebenslagen mit dem Wandel der individuellen Erwerbsverläufe zusammenhängen. Besteht ein Zusammenhang zwischen der zunehmenden Bedeutung von atypischer Beschäftigung und prekären Lebenslagen? Dabei geht das Projekt nicht allein der Frage nach, inwiefern atypische Beschäftigungsverhältnisse prekär sind, sondern auch in welchem Ausmaß Normalarbeitsverhältnisse von Prekarität betroffen sind. Mit welchen Mustern sozialer Ungleichheit hängt prekäre Beschäftigung zusammen? Ist prekäre Beschäftigung hauptsächlich eine Frage des Geschlechts, fehlenden Qualifikationen oder bestimmter Lebensphasen sowie -übergänge? Welche Personengruppen sind trotz individueller prekärer Beschäftigung durch ihren Haushaltskontext dauerhaft abgesichert? Bei welchen Menschen kumulieren prekäre Beschäftigung, Armut und Deprivation im Haushalt? Wie groß sind die Gruppen, bei denen Verlaufsmuster prekärer Beschäftigung und prekäre Lebenslagen des Haushalts langanhaltend miteinander verknüpft sind?

Damit Prekarität in ihren verschiedenen Facetten und Abstufungen der sozialen Verwundbarkeit erfasst wird, entwickelt das Projekt einen kumulativen Prekaritätsindex anhand von vier Dimensionen:  ausreichende Einkommenssicherung, Zugang zu sozialer Absicherung, Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und Jobstabilität. Basierend auf den Daten des sozioökonomischen Panels werden mit Verfahren der Sequenzclusteranalyse die Prävalenz und Entwicklung prekärer Beschäftigung in individuellen Erwerbsverläufen und das parallele Auftreten von Armut und Deprivation im Haushalt untersucht. Ziel ist, typische Verlaufsmuster zu erfassen. Multinominale logistische Regressionen geben Aufschluss darüber, welche soziodemografischen und ungleichheitsrelevanten Charakteristika mit den Verlaufsmustern assoziiert sind. Um die Veränderungen der sozialen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, wird die Untersuchung für zwei aufeinanderfolgende Konjunkturzyklen von 1993 bis 2002 und 2003 bis 2012 durchgeführt.

Mitarbeiter/innen
Laufzeit
2015-2017
Förderung
Hans-Böckler Stiftung