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Covid-19 und Globalisierung

Die wirtschaftlichen Erschütterungen infolge der COVID-19-Pandemie werfen die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der derzeitigen wirtschaftlichen Ordnung auf. Das gilt vor allem für ihre weltumspannende geografische Struktur. Schon seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ob die Globalisierung der Produktion ihren Zenit überschritten habe. Aber stimmt das überhaupt? Und: Hat die Corona-Pandemie den Prozess beschleunigt? WZB-Gastforscher Florian Butollo und Cornelia Staritz haben die Folgen der COVID-19-Pandemie für den Weltmarkt untersucht.

Die wirtschaftlichen Erschütterungen infolge der COVID-19-Pandemie scheinen die Notwendigkeit einer geografischen Restrukturierung und Rückverlagerung der Produktion zu bestärken, führten sie doch die Verwundbarkeit der globalisierten Produktionsstrukturen vor Augen. Florian Butollo, Gastwissenschaftler der Forschungsgruppe Globalisierung, Arbeit und Produktionist gemeinsam mit Cornelia Staritz (Universität Wien) in einem Beitrag für das Berliner Journal für Soziologie den Auswirkungen von COVID-19 auf die Geografie globaler Produktionsnetzwerke nachgegangen.

Covid-19: Kein Auslöser für den Rückgang der globalen Fertigung

Basierend auf theoretischen Überlegungen und Fallstudien zur Automobil‑, Elektronik- und Bekleidungsindustrie folgern die Studienautor*innen, dass die COVID-19-Pandemie nicht als Auslöser für einen allgemeinen Rückbau der globalen Fertigung interpretiert werden kann. Aber: Sie hat bereits länger anhaltende Verschiebungen hin zu multipolaren Produktions- und Konsumstrukturen mit mehreren Akteuren verstärkt. Das Thema der Beständigkeit der Produktionsnetzwerke hat nun eine größere Aufmerksamkeit in der strategischen Planung von Unternehmen und der Industriepolitik von Staaten erhalten. Eine verstärkte Lokalisierung und Regionalisierung von Produktionsnetzwerken ist jedoch nur eine Strategie von mehreren und wurde bis jetzt kaum verwirklicht. Politische Bestrebungen in diese Richtung sind jedoch durch gewachsene weltwirtschaftliche Entwicklungspfade und die mit ihnen verbundenen Kräfteverhältnisse limitiert.

Im Ausblick betonen Florian Butollo und Cornelia Staritz die Notwendigkeit einer umfassenden politisch motivierten Restrukturierung globaler Produktionsnetzwerke – vor allem deshalb, weil nur dann die sozial-ökologische Transformation des Weltmarkts gelingen kann.

29.11.22.

Der Beitrag von Florian Butollo und Cornelia Staritz: "Deglobalisierung, Rekonfiguration oder Business as Usual? COVID-19 und die Grenzen der Rückverlagerung globalisierter Produktion" ist im Berliner Journal für Soziologie erschienen. (Vol. 32, 2022, S. 393-425, )