Zwei Projekte erforschen „Rationalität und Wettbewerb“ Zwei Projekte erforschen „Rationalität und Wettbewerb“
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Wie Entscheidungen Unternehmen und Individuen prägen

Gleich zwei Forschungsprojekte werden am WZB innerhalb des Transregio-Sonderforschungsbereichs „Rationalität und Wettbewerb“ (SFB/TRR 190) an den Start gehen: eines in der Abteilung Verhalten auf Märkten, ein zweites in der Abteilung Ökonomie des Wandels. Der Transregio-Sonderforschungsbereich will die Forschungsprogramme von neoklassischen Ökonomen und Verhaltensökonomen verbinden, um angewandte Fragen von hoher wirtschaftspolitischer Relevanz zu untersuchen.

Das Projekt "Educational Choices, Market Design, and Social Outcomes" in der Abteilung Verhalten auf Märkten

Bildungsentscheidungen stellen Weichen fürs Leben. Sie beeinflussen aber auch die soziale Mobilität in einer Gesellschaft. Beispiele sind die Wahl der Schule bzw. des Schultyps oder die Entscheidung zwischen Studium und Ausbildung. Vieles spricht dafür, dass verzerrte Wahrnehmungen und mangelnde Informationen bei diesen Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen. Die zentrale Idee des Forschungsprojekts ist es, die Auswirkungen von verzerrten Erwartungen und Fehlinformationen auf die  Bildungsentscheidungen und die Bildungsergebnisse zu untersuchen, und zwar unter Berücksichtigung der institutionellen Ausgestaltung der Zuteilungsmechanismen und Bildungsmärkte.

Die wichtigste Innovation des Projekts besteht darin, Bildungsentscheidungen und ihre Auswirkungen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten zu untersuchen. Das sogenannte Market Design, also die Organisation der Verteilung von Plätzen an Schulen oder von Studienplätzen, zeigt, wie schädlich es sein kann, schlechter informiert zu sein als andere oder seine eigenen Fähigkeiten falsch einzuschätzen. Die Entwicklung von Mechanismen und Entscheidungsarchitekturen, die weniger gut informierte Bewerber vor den negativen Auswirkungen ihrer Fehleinschätzungen schützen, ist eines der Ziele des Projekts.

Für die Untersuchungen werden Dorothea Kübler, Direktorin der Abteilung Verhalten auf Märkten, und Ludger Wößmann (Ifo-Institut und LMU München) auf experimentelle Daten, Befragungen sowie Beobachtungsdaten zurückgreifen und damit die Stärken der beteiligten Abteilungen am Ifo-Institut und am WZB nutzen.

Das Projekt "High-frequency Interaction in Oligopoly Markets" in der Abteilung Ökonomie des Wandels

Ist es denkbar, dass Firmen, die andere Strategien haben, als ihre Gewinne zu maximieren, in einem Markt überleben? Oder werden sie, wenn sie sich nicht optimieren, über kurz oder lang von anderen Firmen verdrängt, die das richtige Rezept gefunden haben? Steffen Huck und sein Team werden sich in der Abteilung Ökonomie des Wandels im Projekt „High-Frequency Interaktion auf Oligopolmärkten" mit diesen Fragen beschäftigen.

Um erfolgreicher zu sein, muss man ja nicht einmal unbedingt die womöglich komplizierte mathematische "Gewinnfunktion" seines Unternehmens kennen, man muss nur die richtigen Produkte auf die richtige Weise herstellen und vermarkten. Billardspielern vergleichbar, wie Milton Friedman einst bemerkte, die keineswegs die komplizierten Differentialgleichungen kennen müssen, die die Bahnen von Billardkugeln beschreiben. Es reicht, wenn es einer besser kann, und so sorgt der Wettbewerb laut Friedman dafür, dass Billardspieler spielen, als würden sie Differentialgleichungen lösen, und Firmen agieren, als würden sie ihre Gewinne maximieren.

Dieses Argument ist aber nur dann stimmig, zeigen jüngere theoretische Arbeiten, wenn Firmen keinen Einfluss auf die Gewinne ihrer Konkurrenten haben, also nur in sehr großen Märkten mit vielen und vergleichsweise kleinen Firmen. In Oligopolen, das heißt auf Märkten, auf denen wenige Firmen agieren, kann man indes auch dadurch erfolgreicher als ein Konkurrent sein, indem man zu Methoden greift, die der Konkurrenz mehr schaden als einem selbst, zum Beispiel durch massive Ausweitung der Produktion, die die Preise sinken lässt (was den anderen mehr weh tut als einem selbst, da man ja selbst immerhin den großen Output, wenn schon keinen hohen Preis hat).

Auf diese Beobachtungen aufbauend, sagen moderne Theorien der Wettbewerbsdynamik voraus, dass systematische Abweichungen von Gewinnmaximierung, zum Beispiel aufgrund eines übertriebenen Optimismus, verzerrter Instrumente der Kostenrechnung oder Präferenzen für Umsatz oder das Wohl der gesamten Industrie, nicht nur überlebensfähig sein können, sondern im Wettbewerb sogar gewinnmaximierende Firmen verdrängen können.

Trotz ihrer Plausibilität bleiben diese Theorien bislang empirisch unerforscht. Im Rahmen des neuen SFB/TRR 190 wird die Abteilung Ökonomik des Wandels versuchen, diese Lücke durch Experimentalstudien zu schließen, die es erlauben, langfristige dynamische (evolutorische) Prozesse im Experimentallabor abzubilden.

Der Transregio-Sonderforschungsbereich „Rationalität und Wettbewerb“ (TRR 190)

Der Transregio-SFB verbindet die Forschungsprogramme von neoklassischen Ökonomen und Verhaltensökonomen, um angewandte Fragen von hoher wirtschaftspolitischer Relevanz zu untersuchen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Verhalten und der ökonomischen Leistungsfähigkeit von Individuen und Unternehmen. Der Verbund untersucht die allokativen Konsequenzen und die wirtschaftspolitischen Implikationen von verschiedenen Aspekten von Rationalität und Abweichungen von Rationalität. Er fokussiert dabei auf Situationen, in denen die Wirtschaftssubjekte im Wettbewerb stehen.

Der Transregio-Sonderforschungsbereich „Rationalität und Wettbewerb“ (TRR 190) ist an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt.

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