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Critical Citizens as a Democratic Resource?

Staff
Brigitte Geissel
Duration
2004-2006
Funding
WZB

In der (klassischen) politischen Kulturforschung galt Kritik eher als Negativum von Unterstützung und als Gefahr für politische Stabilität. Politische Kulturforschung war folgerichtig im wesentlichen Unterstützungs- und Legitimitätsforschung. Seit Mitte der 90er Jahre ist eine stärkere Hinwendung zur Kritikforschung zu erkennen (z.B. Norris 1999). Ziel der Studie ist die Typologisierung politischer Kritik sowie die Analyse der Merkmale unterschiedlicher Kritiktypen.

Forschungsfragen:
Wie lässt sich die politische Kritik von BürgerInnen typologisieren? Wie verteilen sich diese Kritiktypen in Ost- und Westdeutschland, in Städten und im ländlichen Raum? Welche Merkmale weisen die Kritiktypen auf?

Forschungsmethoden:
Computerunterstützte Telefoninterviews (CATI) mit BürgerInnen aus sechs Städten und Kreisen (je drei ost- und drei westdeutsche) erhoben (N=2000) sowie eine CATI-Befragung lokaler politisch-administrativer Eliten aus diesen lokalen Einheiten (N=140).

Zentrale Ergebnisse (Auswahl):

Basierend auf den Interviewdaten können fünf Typen unterschieden werden: 1.) Personen, die demokratische Grundwerte nicht unterstützen, 2.) Zufrieden- Kritikbereite, 3.) Unzufrieden- Kritikbereite, 4.) Kritiklos- Indifferente und 5.) Kritisch- Resignierte.
Der Typus der Zufrieden-Kritikbereiten partizipiert eher in Parteien, der Typus der Unzufrieden-Kritikbereiten partizipiert eher in nicht-institutionalisierten Formen, z.B. bei Bürgerinitiativen und Unterschriftenaktionen. Personen mit undemokratischen Einstellungen und Nicht-Kritikbereite (zufrieden oder unzufrieden) partizipieren in geringerem Ausmaß.
Die undemokratischen Kritiktypen haben die schlechtesten Werte bei der politischen Entfremdung, bei Internal und bei External Political Efficacy. Die Zufriedenen, ob kritikbereit oder nicht, schätzen die Responsivität des politischen Systems am höchsten ein, die Unzufriedenen erheblich niedriger.