Die Politisierung der EU birgt Chancen
Die Europäische Union hat durch die politische und ökonomische Krise viele Anhänger verloren. Ihre Entscheidungen seien zu undemokratisch und eine Re-Nationalisierung sei zu befürchten, sagen viele Kritiker. Von diesen skeptischen Lesarten setzen sich Michael Zürn, Direktor der Abteilung Global Governance, und Christian Rauh, wissenschaftlicher Mitarbeiter dieser Abteilung, ab. Sie plädieren stattdessen dafür, die durch die Krise entstandene gesellschaftliche Politisierung der EU als Chance zu nutzen, die europäischen Institutionen stärker zu demokratisieren.
Dazu gehören auch mögliche institutionelle Neuerungen wie die Wahl des Kommissionspräsidenten. Eine umfassende Politisierung Europas ist die notwendige Voraussetzung für die stärkere Einbindung der Bürger in den Einigungsprozess. Europa hat nur dann eine Chance, wenn die politischen Entscheidungsträger die öffentliche Diskussion für einen offenen Wettbewerb um die Inhalte europäischer Politik nutzen.
Ein Essay der beiden Autoren zu diesem Thema ist am 19. Mai in der Frankfurter Allgmeinen Zeitung unter dem Titel Legitimationsprobleme im Früheuropäismus erschienen.
Zur Buchveröffentlichung: Christian Rauh/Michael Zürn: „Zur Politisierung der EU in der Krise“. In: Martin Heidenreich (Hg.): Krise der europäischen Vergesellschaftung? Soziologische Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS 2014.