Wahlstudie

Lauter K-Fragen: Was Bundestagskandidaten denken und was sie motiviert

Was bewegt Menschen, einer politischen Partei beizutreten? Welche Eigenschaften müssen Kandidaturwillige mitbringen, um von ihrer Partei auch aufgestellt zu werden? Wie beurteilen die Nominierten das Funktionieren der Demokratie? Das sind einige der Fragen, die WZB-Forscher den Kandidatinnen und Kandidaten zur Bundestagswahl 2009 gestellt haben. Jetzt liegt zur „Kandidatenstudie 2009“, für die Antworten von knapp 800 Kandidaten ausgewertet wurden, eine Broschüre vor. Sie gibt einen genauen Einblick in die Motive, politischen Orientierungen und Problemwahrnehmungen der Kandidaten.

Politik gestalten zu wollen, das war für die Hälfte der Befragten der wichtigste Beweggrund, in eine Partei einzutreten. Kaum einer entschied sich für diesen Schritt, weil er eine Parteikarriere anstrebte. Wann aber wird aus einem Parteimitglied ein Kandidat? Für die Befragten ist die Antwort eindeutig: Wenn er oder sie Sachkompetenz mitbringt und fähig ist, Wähler zu gewinnen. Im Wahlkampf 2009 war den befragten Kandidaten auch der direkte Austausch mit den Bürgern besonders wichtig. Jeder Zweite nutzte hierfür die Möglichkeiten des Web 2.0 (z.B. Facebook und Blogs). Anzeigen und Werbespots spielten dagegen nur eine geringe Rolle.

Auch wenn drei Viertel der Befragten mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland zufrieden sind, sehen die Kandidaten deutliche Defizite. Knapp 70 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten stimmten der Aussage zu, unsere Demokratie sei dabei das Vertrauen der Bürger zu verspielen. Über die Hälfte war der Meinung, dass die Gesetzgebung zu sehr von den Interessen Weniger abhänge. Sollten die Bürger also mehr politische Mitwirkung erhalten? Zwei Drittel sprachen sich für die Einführung von Volksbegehren aus; ebenso dafür, dass die Bürger direkt über Sachfragen auf Bundesebene entscheiden können sollten. Auch wenn die Kandidatinnen und Kandidaten also deutlich „Ja“ zu mehr direkter Demokratie gesagt haben – das letzte Wort sollte ihrer Meinung nach weiterhin das Parlament haben.

Die „Kandidatenstudie 2009“ entstand im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten German Longitudinal Election Study (2009-2017), dem bislang umfassendstem Projekt der deutschen Wahlforschung. Neben Wissenschaftlern des WZB waren Forscher der Universitäten Mannheim und Frankfurt am Main beteiligt.

Die Broschüre zur Kandidatenstudie steht als Download (PDF) zur Verfügung.

Es sind weiterhin wissenschaftliche Publikationen erschienen, unter anderem:

Giebler, Heiko und Andreas M. Wüst (2011): Individuelle Wahlkämpfe bei der Europawahl 2009. Länderübergreifende und ebenenspezifische Befunde. In: Jens Tenscher: Kampagnen nach Wahl. Wiesbaden: VS Verlag: 121-152.

Gschwend, Thomas und Thomas Zittel (2011): Machen Wahlkreiskandidaten einen Unterschied? Die Persönlichkeitswahl als interaktiver Prozess. In: Rüdiger Schmitt-Beck: Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft zur Bundestagswahl 2009.