Medienanalyse

Rechte von Muslimen - kontrovers debattiert

Das größere Selbstbewusstsein der Muslime, religiöse Rechte einzufordern, hat in vielen europäischen Ländern öffentliche Diskussionen hervorgerufen. Entgegen der Erwartung, dass der Einfluss europäischer und globaler Menschenrechtsnormen zu einer Konvergenz führen würde, zeigen Sarah Carol und Ruud Koopmans, dass die Debatten in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz unterschiedlich geführt werden.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass sich die Debatte um die Verleihung von Rechten an Muslime stark an historisch gewachsenen, nationalen Vorstellungen des Staat-Kirche-Verhältnisses orientiert. Basis ihrer Untersuchung ist eine Medienanalyse 30 überregionaler Zeitungen im Zeitraum von 1999 bis 2008.

Die Annahme, dass Muslime traditioneller und orthodoxer werden, wenn ihnen Rechte verwehrt werden (reaktive Ethnizität), bestätigt sich nicht. Stattdessen bestimmen in Ländern wie den Niederlanden oder Großbritannien, in denen Muslimen früh weitgehende Rechte eingeräumt wurden, kontroversere Rechte wie das Tragen einer Burka oder die Einführung der Sharia die Diskussion. In Ländern wie Deutschland oder der Schweiz, in denen sich der Erwerb der Staatsangehörigkeit und dadurch politisches Mitspracherecht schwieriger gestaltet, nehmen grundlegendere Rechte wie der Bau von Moscheen einen breiteren Raum in der öffentlichen Debatte ein.

Länderübergreifend zeigt sich, dass nicht formal organisierte muslimische Akteure deutlich umstrittenere Themen auf die Tagesordnung setzen, während Vertreter muslimischer Organisationen eine vergleichsweise gemäßigte Position einnehmen.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Journal "Ethnicities" erschienen.

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