Die Elite denkt kosmopolitisch
Die Elite in Deutschland bekennt sich einheitlich zur Einwanderung und zur stärkeren Öffnung der nationalen Grenzen. Diese Einstellung trennt sie von der übrigen Bevölkerung, die sehr heterogen zu diesen Themen steht. Das haben Marc Helbling und Céline Teney vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in einer Analyse festgestellt. Sie untersuchten die Einstellungen von 354 deutschen Spitzenkräften aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Militär und Kirche zu Einwanderungsfragen, internationalem Handel, Entwicklungshilfe und supranationalen politischen Institutionen und setzten sie in Bezug zu den Einstellungen der Bürger zu diesen Themen.
In ihrer Analyse zeigen die beiden Autoren, dass es eine generelle Trennung zwischen den Ansichten der Elite und denen der Bürger in Fragen der Denationalisierung gibt – also zur Öffnung der Grenzen für Menschen und Güter. Während die Spitzenkräfte unabhängig von Bildung, Alter, Geschlecht und politischer Orientierung eine homogene Position zu diesen Fragen einnehmen, haben die Bürger je nach Bildung oder politischer Orientierung sehr unterschiedliche Positionen.
„Wir nehmen an, dass die Lücke, die sich zwischen den Ansichten der Entscheidungsträger und der Bürger auftut, in Deutschland größer ist als in anderen Ländern, weil es hier aus historischen Gründen einen größeren Druck gibt, sich als Teil der Elite einem kosmopolitischen Ideal anzupassen“, sagt Marc Helbling, Mitautor der Studie.
Marc Helbling und Céline Teney haben Daten der WZB-Elitestudie analysiert. In der Studie wurden 354 Top-Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Justiz, Militär, Kirchen und Medien durch ein Forscherteam des WZB befragt. Die Ansichten der Bevölkerung wurden aus der Analyse der Daten des European Social Survey und des World Values Survey gewonnen. Die Ergebnisse wurden jetzt unter dem Titel „How Denationalization Divides Elites and Citizens“ in der Zeitschrift für Soziologie, Jg. 43, Heft 4 veröffentlicht. Ein weiterer Teil der Studie wird in der Zeitschrift Global Networks erscheinen.
Dr. Marc Helbling
Leiter der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe
Einwanderungspolitik im Vergleich
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Kerstin Schneider
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