Press release

MdB-Nebenjobs: Frauen sind zurückhaltender

Männer üben mehr zusätzliche Tätigkeiten aus – selbst wenn sie Kinder haben

Auch manche Männer kennen Doppel- und Mehrfachbelastungen: Männliche Bundestagsabgeordnete üben viel häufiger Nebentätigkeiten aus als weibliche MdBs. WZB-Forscher Benny Geys und Karsten Mause von der Universität Bremen zeigen in den aktuellen „WZB-Mitteilungen“, dass das Geschlecht auch in der Politik noch eine wichtige Rolle spielt – obwohl sie in Sachen Quote schon weiter ist als die Wirtschaft.

Um Gender-Effekte auf die bezahlten und ehrenamtlichen Nebenjobs empirisch zu überprüfen, setzten Geys und Mause für alle MdBs (Oktober 2005 bis September 2007) die Zahl der Nebentätigkeiten in Bezug zum Geschlecht. Auch Variablen wie Parteizugehörigkeit, Konfession, beruflicher Hintergrund und Herkunftsbundesland flossen ein. Beim „durchschnittlichen“ männlichen Abgeordneten ließen sich 4,37 Nebentätigkeiten verbuchen, bei der „durchschnittlichen“ weiblichen Abgeordneten dagegen nur 3,37.

Männer mit Kindern melden dem Bundestagspräsidenten mehr Nebentätigkeiten als Männer ohne Kinder – möglicherweise, um ein höheres Familieneinkommen erzielen zu können. Bei den Frauen unter den Abgeordneten sieht es dagegen anders aus: Weibliche MdBs mit Kindern haben im Schnitt weniger Nebenämter. Diese Beobachtung entspricht dem Muster anderer aktueller Studien, die belegen, dass erwerbstätige Mütter beruflich weniger reisen als Frauen ohne Kinder. Für den Umfang der professionellen Reisetätigkeit von Männern ist es dagegen unerheblich, ob diese Kinder haben oder nicht.

Die Forscher warnen, aus den empirischen Erkenntnissen Schlüsse über Diskriminierung abzuleiten. Geschlechter-Diskriminierung oder pro-männliche Vorurteile seien zwar mögliche Ursachen für diese Unterschiede. Aber auch andere Interpretationen seien denkbar, wie: Frauen streben einfach seltener Nebentätigkeiten an oder nehmen entsprechende Angebote nicht so häufig an. Oder: Frauen seien bei ihrer parlamentarischen Arbeit gewissenhafter und neigten deshalb eher dazu, potenzielle Interessenkonflikte durch Nebenjobs zu vermeiden.

Weitere Beiträge der aktuellen „WZB-Mitteilungen“ zum Thema Gender befassen sich mit dem Geschlecht als wichtiger Dimension sozialer Ungleichheit, der ungleichen Benotung von Mädchen und Jungen oder dem geschlechtsspezifischen Umgang mit dem Ehegatten-Nachzug. Die „WZB-Mitteilungen“ liefern Berichte über aktuelle Ergebnisse der WZB-Forschung. Sie erscheinen viermal im Jahr und können unentgeltlich abonniert werden.

Pressekontakt: Andrea Lietz-Schneider, Referat Information und Kommunikation, Tel.: (030) 25491-517, E-Mail: andrea.lietz [at] wzb.eu