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Zunehmender Abstieg aus der Mitte der Gesellschaft?

Research Fields
Labor and Labor Market
Duration
on-going

Debatten über soziale Ungleichheit in Deutschland thematisieren häufig die Lage der Mittelschicht. Beispielsweise wird seit Jahren ein „Schrumpfen der Mittelschicht“ diagnostiziert. Auch scheint die „Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abstieg“ zuzunehmen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass diese Debatte mindestens zwei Aspekte hat: Zum einen geht es um sozialen Abstieg aus gesicherten Positionen in der Mittelschicht. Zum anderen werden blockierte Aufstiegswege in die Mittelschicht für Arbeitsmarkteinsteiger thematisiert. Diese Perspektiven werden in der bisherigen Forschung meist unabhängig voneinander betrachtet. Auf der einen Seite stehen Arbeiten, die sich beispielsweise mit dem Armutsrisiko in der Haupterwerbsphase des Lebensverlaufs beschäftigen. Auf der anderen Seite befassen sich Forscher mit Karrierewegen von Arbeitsmarkteinsteigern. In diesem Projekt führen wir diese beiden Aspekte zusammen, indem wir langfristige Einkommensverläufe nach der Erstausbildung sowie der Etablierung auf dem Arbeitsmarkt untersuchen. Im Kohortenvergleich soll dann der Frage nachgegangen werden, ob es eine Zunahme von Abstiegen aus der Mittelschicht gegeben hat und welche Dynamiken diesen zugrunde liegen.

Um diese Entwicklung besser zu verstehen, beschreiben wir längerfristige Einkommensverläufe (5-10 Jahre) mithilfe von Sequenzanalysen. Mithilfe dieser Methode können idealtypische Verlaufsmuster identifiziert werden. So können wir beispielsweise untersuchen, ob es vermehrt ein schrittweises Abrutschen, d.h. verzögerte Abstiege aus der Mittelschicht gibt, wie es etwa auf Grund der Abschaffung der am Ziel des Statuserhalts orientierten Arbeitslosenhilfe vermutet werden könnte. Oder gibt es stattdessen mehr Abstiege von Personen, die sich zuvor längerfristig im armutsnahen Bereich aufgehalten haben? Auch können wir mit unserer Methode feststellen, ob es eine Zunahme von Einkommensschwankungen gegeben hat. Nehmen also beispielsweise Einkommensverläufe zu, die von wiederholten Aus- und Eintritten in den Armutsbereich gekennzeichnet sind? Diese Arbeit ist auch ein Versuch, Querschnitt- und Längsschnittbetrachtungen von sozialer Ungleichheit wieder stärker zu vereinen. In der Querschnittsperspektive werden häufig Stabilitäten überbetont, während in der Längsschnittperspektive Dynamiken die Ergebnisse stark beeinflussen. Unsere Betrachtung der langfristigen Verläufe bietet eine Möglichkeit, beide Perspektiven in die Analyse einfließen zu lassen.


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