Zum Wandel des deutschen Wahlverhaltens
Wie ist der massive Wandel des Wahlverhaltens bei den drei Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 zu erklären? Der Sammelband "The Changing German Voter" des German Longitudinal Election Study-Projekt (GLES) nähert sich in 15 Kapiteln der Beantwortung dieser Frage mit tiefgehenden Analysen von Einstellungen, Überzeugungen und Verhalten der deutschen Wähler*innen. Die Veröffentlichung zielt darauf, das Verständnis für die Fluidität der gegenwärtigen Wahlpolitik und dessen Konsequenzen für eine demokratischen Regierungsführung in Deutschland zu verbessern. Die Herausgeber*innen der GLES Koordinationsgruppe Rüdiger Schmitt-Beck, Sigrid Roßteutscher, Harald Schoen, Bernhard Weßels und Christof Wolf zeigen mit der Veröffentlichung eindrücklich das Analysepotenzial der im Projekt erhobenen Daten. Das Buch ist bei Oxford University Press erschienen und Open-Access verfügbar.
Die GLES wird gleichberechtigt von vier Instituten getragen: GESIS Mannheim, Universität Frankfurt a. M., Universität Mannheim und dem WZB. Das Projekt besteht aus neun Studienkomponenten, für die die vier Standorte in Arbeitsteilung verantwortlich sind. Ziel ist es, die bei der Bundestagswahl 2005 kulminierten Prozesse der Veränderung zu untersuchen, die als Konsequenz allgemeinen sozialen Wandels seit Jahrzehnten wirksam sind und aufgrund der Wiedervereinigung zusätzliche Beschleunigung erfahren haben. Diese Prozesse betreffen einerseits das Verhalten von Wähler*innen, dessen Instabilität ein bislang unbekanntes Ausmaß erreicht hat. Betroffen ist andererseits aber auch der Kontext, in dem Wahlentscheidungen getroffen werden, also Parteien und ihre Kandidat*innen, deren Wahlkampf und die Massenmedien. Der Wähler*innenwandel und der Wandel des politischen Angebots und seiner Präsentation führten zu einem beträchtlichen Anwachsen der Instabilität elektoraler Prozesse mit potenziell weit reichenden Konsequenzen für die repräsentative Demokratie in Deutschland. Die durch das Projekt generierten Daten werden als öffentliches Gut behandelt und interessierten Sozialwissenschaftler*innen unverzüglich zugänglich gemacht.