Podium Stadt und Gesundheit
Max Peukert

Stadtgrün und Lebenschancen

Das Leben in unseren Städten verändert sich. Der Klimawandel, der Zuzug vieler Menschen und die Verdichtung von Stadtvierteln spielen eine große Rolle. Das Thema „Stadt und Gesundheit“ wird in den nächsten Jahrzehnten immer wichtiger werden. Das deuten schon heute Hitzewellen und Luftverschmutzung an. Bei der Podiumsdiskussion von WZB und Museum für Naturkunde Berlin am 10. Juli 2023 fragten wir:  Wie bringen wir die Kategorien Stadt und Gesundheit sinnvoll zusammen, damit unter den geänderten Klimabedingungen Menschen in der Stadt gut leben können? Wie prägen soziale Strukturen, Lebensweisen, Energie-, Wasser und Mobilitätssysteme unser Leben in den Städten? 

Für Jan Paul Heisig, Leiter Forschungsgruppe Stadt und Gesundheit, war in der Diskussion, die von Shelly Kupferberg moderiert wurde, ein Aspekt besonders wichtig, der die unterschiedlichen Lebensbedingungen in den Blick nimmt. Er machte deutlich: „Der Einfluss von Umweltqualität auf die Lebenschancen und damit auf das Fortbestehen sozialer Ungleichheit wird unterschätzt“. 

Die Transformation der städtischen Lebensbedingungen wurde mit der Klimakrise verknüpft. Denn Planetary Health, der Zustand der Erde und das Wohlergehen der Menschen, müssen zusammengedacht werden. Dabei umfasst „Planetare Gesundheit“ auch Wohnen, Mobilität und Ernährung wie Kim Grützmacher, Planetary Health Lead am Museum für Naturkunde Berlin erklärte. Wichtig sei: „Menschen müssten stärker als Teil der biologischen Vielfalt wahrgenommen werden, nicht getrennt vom Rest der Natur“. Dabei gelte es, sich an Potenzialen statt an Defiziten ausrichten. Zum Beispiel im Blick auf die Tigermücke, vor der in diesem Sommer gewarbt wird: Wer sind unsere Verbündeten? Wer sind ihre Fressfeinde? Damit verbunden wäre ein positiveres Bild etwa von Vögeln oder Fledermäusen.

Klima und Stadtplanung

Auch stadtplanerische Aspekte spielten in unserer Diskussion eine große Rolle. Wie kann eine gesundheitsfördernde und integrierte Stadtentwicklung aussehen? Christa Böhme,  Projektleiterin Stadtentwicklung, Recht und Soziales vom Deutschem Institut für Urbanistik in Berlin sagte, dass die biologische Vielfalt ist in Städten gar nicht schlecht sei, sie sei besser als im agrarischen Raum. Berlin ist im Monitoring vorbildlich (Umweltgerechtigkeitsatlas!), Defizite bestehen eher im Handeln – die unterschiedlichen Bereiche sind nicht integriert; Stadtplanung schaut auf Lebensverhältnisse, Gesundheit auf Verhaltensprävention.

Dass mehr Räume geschaffen werden, mehr Grün für alle, darin waren sich die Teilnehmenden einig, denn Lebensräume, gerade von Kindern, würden durch die Übermacht des Autos eingeschränkt.

 

12.7.23 Gak/kes