Firmenverhalten und Industrieanalyse
In einem Teilprojekt, an dem Paul Heidhues (WZB) mit Botond Köszegi (University of California at Berkeley) arbeitet, geht es darum, die Implikationen von psychologischen, beziehungsweise so genannten verhaltensökonomischen Ansätzen des Konsumentenverhaltens für die optimale Preisgestaltung von Unternehmen und den Wettbewerb zwischen Unternehmen zu erforschen. Die Untersuchung baut auf Ergebnissen psychologischer Experimente auf, die gezeigt haben, dass Konsumenten Verluste stärker bewerten als Zugewinne. In der Wirtschaftswissenschaft wird bislang ein neoklassisches Modell von Konsumenten und einer entsprechenden Preisgestaltung der Unternehmen verwendet. Mit dem verhaltensökonomischen Ansatz wird analysiert, ob sich die Preisgestaltung von Unternehmen gegenüber verlustaversen Konsumenten davon unterscheidet. Gibt es auch außerhalb von Experimenten auf Märkten beobachtbare Preismuster, die auf den Einfluss von Verlustaversion hinweisen? In einer ersten Arbeit mit dem Titel „The Impact of Consumer Loss Aversion on Pricing“ (2004) entwickeln Heidhues und Köszegi ein neues und übertragbares Marktmodell, in dem ein Profit maximierender Monopolist mit stochastischen Grenzkosten seine Produkte an verlustaverse Konsumenten verkauft. Mit diesem Modell lässt sich die optimale Preisstrategie des Monopolisten ermitteln. Im Gegensatz zum Standardmonopolmodell finden sich bestimmte Bedingungen, unter denen es für den Monopolisten die optimale Preisstrategie ist, trotz kleinerer Kostenschocks den Preis nicht anzupassen. Des weiteren sind die Preisaufschläge azyklischer als im Standardmodell. Außerdem kann trotz dieser Tendenz zur Preisstarrheit das Modell auch begründen, warum Firmen befristete Sonderangebote setzen, selbst wenn ihre Kosten gleich bleiben. Diese ersten Ergebnisse sind viel versprechend und es ist geplant, das Modell in mehrere Richtungen zu erweitern. So soll demnächst z.B. die optimale Preissetzung auch auf Oligopolmärkten mit verlustaversen Konsumenten untersucht werden.
In Marktwirtschaften stehen Firmen im Wettbewerb untereinander. Diesen versuchen sie zu verringern, indem sie Absprachen mit ihren Konkurrenten treffen, um für beide Seiten höhere Gewinne zu erzielen. Bei Ausschreibungen um Aufträge beispielsweise stehen Firmen als Bieter bei einer Auktion im Wettbewerb. Zahlreiche empirische Arbeiten finden indirekte Anzeichen dafür, dass es auch auf Auktionen stillschweigende Absprachen (Kollusion) gibt. Dieses Problemfeld rückt gegenwärtig verstärkt in den Blick der Wettbewerbsbehörden sowohl in den U.S.A. als auch in der EU. Allerdings gibt es im Vergleich zu der wissenschaftlichen Erforschung von Auktionen im Allgemeinen bisher noch wenig theoretische und empirische Literatur über Kollusion in Auktionen. Andreas Blume (University of Pittsburgh) und Paul Heidhues haben das Phänomen im Beitrag „Private Monitoring in Auctions“ (2003) untersucht. So zeigen sie, dass ein Auktionator stillschweigende Absprachen zwischen Bietern in Erstpreisauktionen nicht dadurch verhindern kann, indem er Informationen zurückhält, wenn auf der Auktion eine begrenzte Anzahl von geduldigen Bietern auftritt. Methodologisch anspruchsvoll wurden dafür private Strategien der Bieter, die auf nicht-öffentlichen Informationen beruhen, untersucht. Das Modell zeigt, wie hinreichend geduldige Bieter mit einfachen Strategien erfolgreich stillschweigende Absprachen durchsetzen können. Es wurde auch gezeigt, dass große und geduldige Kartelle eine aus Bietersicht (annähernd) effiziente Absprache treffen können, die ohne fortlaufende Kommunikation zwischen den Bietern funktioniert. Da die Firmen also nicht miteinander in Kontakt stehen müssen, ist es für eine Wettbewerbsbehörde außerordentlich schwierig, diese Kartelle zu unterbinden.
Ausgewählte Publikationen
| Beck, Jonathan: | |
| (2006) The Sales Effect of Word of Mouth: A Model for Creative Goods and Estimates for Novels WZB Discussion Paper SP II 2006-16 Veröffentlicht in Journal of Cultural Economics, Vol. 31(1), Mar. 2007, pp. 5-23. | |
| (2004) Fixed, Focal, Fair? Book Prices Under Optional Resale Price Maintenance WZB Discussion Paper SP II 2004-15 | |
| Beck, Jonathan/Grajek, Michał/Wey, Christian Hypermarket Competition and the Diffusion of Retail Checkout Barcode Scanning WZB Discussion Paper SP II 2005-19 | |
| Blume, Andreas/Heidhues, Paul: | |
| (2003) Private Monitoring in Auctions WZB Discussion Paper SP II 2003-14 Erscheint in Kürze in the Journal of Economic Theory. | |
| (2001) Tacit Collusion in Repeated Auctions WZB Discussion Paper FS IV 01-23 | |
| Clougherty, Joseph A.: | |
| (2005) The International Drivers of Domestic Airline Mergers in Twenty Nations: Integrating Industrial Organization and International Business WZB Discussion Paper SP II 2005-06 Veröffentlicht in Managerial and Decision Economics, Vol. 27(1), Jan./Feb. 2006, pp. 75-93. | |
| (2004) Export Orientation and Domestic Merger Policy: Theory and Some Empirical Evidence WZB Discussion Paper SP II 2004-10 Veröffentlicht in Canadian Journal of Economics, Vol. 38(3), 2005, pp. 778-806. | |
| Duso, Tomaso/Jung, Astrid: | |
| (2003) Product Market Competition and Lobbying Coordination in the U.S. Mobile Telecommunications Industry WZB Discussion Paper SP II 2003-16 | |
| (2002) Market Conduct and Endogenous Lobbying: Evidence from the U.S. Mobile Telecommunications Industry WZB Discussion Paper FS IV 02-35 Erscheint in Kürze in the Journal of Industry, Competition and Trade. | |
| Heidhues, Paul/Kőszegi, Botond (2004): The Impact of Consumer Loss Aversion on Pricing WZB Discussion Paper SP II 2004-17 Jansen, Jos (2004): Partial Information Sharing in Cournot Oligopoly WZB Discussion Paper SP II 2004-01 Lagerlöf, Johan (2003): Insisting on a Non-Negative Price: Oligopoly, Uncertainty, Welfare, and Multiple Equilibria WZB Discussion Paper SP II 2003-04 Neven, Damien J./Röller, Lars-Hendrik (1999): An Aggregate Structural Model of Competition in the European Banking Industry Veröffentlicht in The Journal of Industrial Organization, Vol. 17(7), 1999, pp. 1059-1074. Parker, Philip M./Röller, Lars-Hendrik (1997): Collusive Conduct in Duopolies: Multimarket Contact and Cross-Ownership in the Mobile Telephone Industry WZB Discussion Paper FS IV 95-04 Veröffentlicht in the RAND Journal of Economics, Vol. 28(2), 1997, pp. 304-322. Prantl, Susanne/Almus, Matthias/Egeln, Jürgen/Engel, Dirk Bankintermediation bei der Kreditvergabe an junge oder kleine Unternehmen WZB Discussion Paper SP II 2006-21 Röller, Lars-Hendrik/Sickles, Robin C. (2000): Capacity and Product Market Competition: Measuring Market Power in a 'Puppy-Dog' Industry Veröffentlicht in International Journal of Industrial Organization, Vol. 18(6), 2000, pp. 845-865. Röller, Lars-Hendrik/Sinclaire-Désgagné (1996): On the Heterogeneity of Firms. Veröffentlicht in European Economic Review, Vol. 40(3-5), 1996, pp. 531-539. Shy, Oz/Stenbacka, Rune (2004): Price Competition, Business Hours, and Shopping Time Flexibility" WZB Discussion Paper SP II 2004-14. Siebert, Ralph (1999): Multiproduct Competition, Learning by Doing and Price-Cost Margins over the Product Life Cycle: Evidence from the DRAM Industry. WZB Discussion Paper FS IV 99-21. Zhang, Jianbo/Zhang, Zhentang (1999): Asymptotic Efficiency in Stackelberg Markets with Incomplete Information. WZB Discussion Paper FS IV 99-07. Veröffentlicht in dem M. R. Baye/J. P. Nelson (eds.): Advances in Applied Microeconomics, Vol. 10. JAI, 2001, S. 185-202. Zhang, Zhentang (2001): Asymptotic Efficiency in Stackelberg Markets with Incomplete Information. In: J. P. Nelson/M. Bay (eds.): Advances in Applied Microeconomics, Volume 10. JAI Press, pp. Forthcoming | |