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Verhalten auf Märkten

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Forschungsthemen
  • Entscheidungsverhalten und strategische Interaktion
Kontakt
Dorothea Kübler
Fon: 030 2549 1440
email: kuebler [at] wzb [dot] eu

Judith Stein
Fon: 030 2549 1441
Fax: 030 2549 1442
email: judith [dot] stein [at] wzb [dot] eu
Reichpietschufer 50
D-10785 Berlin

Wie gut Märkte funktionieren, bestimmt das ökonomische Wohlergehen, aber auch den Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen. Marktergebnisse werden dabei wesentlich durch das Zusammenspiel zwischen einerseits den Institutionen und Marktregeln, also dem Marktdesign, und andererseits dem Verhalten der Marktteilnehmer beeinflusst. In vielen Situationen können die Annahmen des Homo Oeconomicus die Entscheidungen der Akteure jedoch nicht angemessen erklären. Ein besseres Verständnis individueller Entscheidungen in strategischen Situationen erfordert eine Orientierung an der Realität menschlichen Verhaltens, z.B. die Einbeziehung psychologischer Gegebenheiten und des sozialen Kontextes. Die Abteilung widmet sich der Erforschung der Institution Markt auf der Grundlage reichhaltigerer Modelle menschlicher Entscheidungen.

Derzeit gliedert sich die Arbeit der Abteilung in folgende Kernbereiche:

A. Schulwahl, Studienplatzvergabe und Einstiegsarbeitsmärkte

Wenn Arbeitskräfte nach Arbeitsplätzen suchen, Unternehmen nach Auszubildenden, oder Schüler und  Studenten sich für einen Platz an einer Schule oder Hochschule bewerben, kommt es darauf an, dass beide Seiten zueinander passen. Diese matching-Märkte unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Märkten für Verbrauchsgüter. Angebot und Nachfrage werden häufig nicht über Preise reguliert, sondern es werden andere Verteilungskriterien verwandt wie etwa schulische Leistungen für die Vergabe von Studienplätzen. Wir untersuchen Mechanismen, wie Kinder auf Schulen nach ihren Wünschen verteilt werden können. Die Vergabe von Studienplätzen in Deutschland ist ein weiteres Anwendungsfeld des Marktdesigns, bei dem es darum geht, eine faire Zuordnung zu gewährleisten trotz übernachgefragter Fächer und Studienorte. Weitere Informationen und Publikationen

Siehe auch Teilprojekt A6 des SFB 649 und das Brückenprojekt Rekrutierungsverhalten von Unternehmen auf Ausbildungs- und Arbeitsmärkten.

B. Privatsphäre, soziales Ansehen, Vertrauen und Korruption

Ethische und soziale Einstellungen spielen auf Märkten eine wichtige Rolle, denn sie können die tagtäglichen Entscheidungen und damit die Funktionsweise von Märkten beeinflussen. Wenn Konsumenten sich um ihr Ansehen sorgen, kaufen sie möglicherweise teurere Produkte oder zahlen Steuern, selbst wenn sie das vermeiden könnten. Auch Bestechlichkeit wird durch ethische und soziale Einstellungen begrenzt. Vertrauen spielt eine wichtige Rolle auf Märkten und wird unter anderem durch soziale Nähe beeinflusst. Auf der anderen Seite kann zuviel Vertrauen bedeuten, dass Leute persönliche Daten herausgeben, obwohl ihnen das am Ende selbst schadet. Weitere Informationen und Publikationen

Siehe auch Teilprojekt C3 des SFB 1026.

C. Fehlentscheidungen auf Märkten 

Systematische Bewertungsfehler und falsche Erwartungen beeinflussen ökonomische Entscheidungen und damit die Funktionsweise von Märkten in vielerlei Hinsicht. Das gilt nicht nur für Finanz- und Gütermärkte, sondern auch für Arbeitsmärkte. Selbstüberschätzung kann Arbeitssuchende bei der Bewertung eines Jobangebots beeinflussen und damit ihren ökonomischen Erfolg beeinträchtigen. Viele Menschen neigen auch dazu, die Verfügbarkeit von Informationen für andere Personen zu überschätzen, und zu unterschätzen, was sie selbst früher nicht gewusst haben (hindsight bias). Solche Fehleinschätzungen haben zu negative Beurteilungen von Untergebenen zur Folge und führen zu übermäßig optimistischen Erwartungen bezüglich des eigenen Erfolgs im Wettbewerb. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt auf dem Besitztumseffekt (endowment effect), der effiziente Verhandlungen verhindern kann; wir untersuchen die Verbreitung dieses Effekts in zahlreichen Kontexten. Weitere Informationen und Publikationen

Siehe auch das Brückenprojekt Kulturell bedingte Framing-Effekte in der experimentellen Spieltheorie.