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WZB/Kathrin Kliss
Forschungsgruppe
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Recht als zentrales Instrument der gesellschaftlichen Steuerung ist den Grundsätzen der Neutralität, Objektivität und Gleichheit verpflichtet. In der sozialen Realität trifft das normative Ideal allerdings auf vielfältige Dynamiken der Ungleichheit. Das Recht kann damit unterschiedliche Effekte in der Gesellschaft hervorrufen: Es kann Ungleichheiten legitimieren oder (weiter) verstärken, es kann andererseits auch zu einer Beschränkung und dem Ausgleich von Ungleichheiten beitragen.

Diese Zusammenhänge werden in der rechtssoziologische Forschungsgruppe „Recht und Steuerung im Kontext sozialer Ungleichheiten“ im Sinne der Socio-Legal Studies oder Law & Society-Forschung erforscht. Die Forschungsgruppe wurde im April 2024 gegründet und wird von Professor Michael Wrase geleitet. Unsere Forschungsgruppe ist hochgradig interdisziplinär, mit Wissenschaftlern aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Anthropologie und Rechtswissenschaft.

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt ist der Zugang zum Recht, d. h. die Frage, ob alle Menschen ihre individuellen Rechte gleichermaßen geltend machen und durchsetzen können. Im mehrjährigen Projekt „Zugang zum Recht in Berlin”, das von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz gefördert wird, haben wir umfangreiche Feldbeobachtungen in Beratungsstellen und Rechtsantragsstellen mit quantitativen Analysen von Daten zu Zivilverfahren vor Berliner Gerichten kombiniert. Mit zusätzlichen Mitteln der Volkswagen Stiftung und anderer Organisationen vertiefen wir diese Forschung mit einem besonderen Schwerpunkt auf Digitalisierung, Gerichtsdatenanalysen und Zugang zum Recht für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf dem Bildungsrecht und der Bildungssteuerung, der aus mehreren Kooperationsprojekten mit Bildungswissenschaftlern am WZB hervorgegangen ist. Eines dieser Projekte untersucht beispielsweise, wie Privatschulen reguliert werden und ob die bestehenden Vorschriften einen gleichberechtigten Zugang zu diesen teilweise staatlich finanzierten Schulen wirksam gewährleisten. In einem früheren Projekt haben wir die Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung analysiert, das in der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD) verankert ist. In einem aktuellen politikorientierten Projekt beraten wir die Bundesregierung zu ihrer Bildungs- und Jugendhilfepolitik.   

Die allgemeine Forschungsagenda der Gruppe lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wir untersuchen das Recht als zentrales Mittel der staatlichen Steuerung, als Garant der Rechtsstaatlichkeit und als soziales Phänomen. Wir fördern neuartige empirische, theoretische und normative Forschung zum Recht in der Praxis. Wir bieten forschungsbasierte Politikberatung und engagieren uns im Transfer von Forschung in die Praxis. Wichtig ist uns auch die Förderung interdisziplinärer Karrieren für junge Forscherinnen und Forscher in diesem Bereich.

Wir sind bestrebt, unsere Forschung zu Recht und Gesellschaft auf europäischer und internationaler Ebene auszuweiten und unsere Kooperationsnetzwerke zu erweitern.  Wenn Sie an unserer Arbeit interessiert sind, zögern Sie nicht, sich mit uns in Verbindung zu setzen.