Firmenzusammenschlüsse und -aufkäufe (M&A)
In den letzten Jahren haben Unternehmensfusionen auf nationaler wie internationaler Ebene viel Aufsehen erregt. Aus Sicht der Firmen erscheinen Fusionen sinnvoll, um im internationalen Wettbewerb Größenvorteile zu realisieren. Gleichzeitig aber wird durch die hohe Konzentration von Marktmacht der Wettbewerb unterbunden, mit der Folge, dass die Innovationsanstrengungen von Firmen nachlassen. Das periodische Auftreten von Fusionswellen lässt darauf schließen, dass die Motive für Unternehmenszusammenschlüsse vielfältiger und zahlreicher sind, als auf den ersten Blick vermutet wird. Der Aspekt, warum Fusionen häufig scheitern, blieb bisher in der ökonomischen Literatur nicht befriedigend geklärt. Als Erklärungen wurden bisher entweder das irrationale Verhalten der ausführenden Manager und ihr Hang, Wirtschaftsimperien aufbauen zu wollen, angegeben, oder der Misserfolg wurde schlicht auf Pech zurückgeführt.
Jo Seldeslachts (WZB) und Alberto Banal-Estañol (University of Western Ontario) finden in ihrer Studie “Merger Failures“ (2004) eine formale Lösung für das Problem, indem sie das Firmenverhalten vor und nach der Fusion untersuchen. Im Vorfeld einer Fusion sammeln Firmen Informationen darüber, welche möglichen Synergien sich aus einem Zusammenschluss ergeben könnten. Auf der Basis dieser Informationen stellt jedes beteiligte Unternehmen eine Profitabilitätsprognose für die Fusion auf, und berücksichtigt dabei nicht nur die zu erwartenden Synergien, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Synergien tatsächlich eintreten, wenn der Vertrag unterzeichnet ist. Es zeigt sich, dass es für ein Unternehmen das optimale Verhalten sein kann, eine Fusion einzugehen, danach jedoch nur geringe Anstrengungen für die Integration der beiden Unternehmensteile zu unternehmen, in der Hoffnung, diese werde hauptsächlich vom Fusionspartner geleistet. Handeln beide Seiten gleichermaßen, führt das zu einem sicheren Scheitern der Fusion.
Ein weiterer Bereich, in dem Firmenzusammenschlüsse stattgefunden haben, ist der Handel. Mit der Entstehung großer Handelsketten ist die Käufermacht der Schlüsselfaktor in der Beziehung zwischen Herstellern und Handel, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Konsumenten. Der jüngste Konsolidierungsprozess im Handel führt zu Marktstrukturen, die durch bilaterale Oligopole gekennzeichnet sind, d.h. eine kleine Zahl von Händlern ist Großabnehmer der Produkte einiger weniger Hersteller. Christian Wey (WZB) und Roman Inderst (LSE) analysieren in ihrer Studie „Bargaining, Mergers and Technology Choice in Bilaterally Oligopolistic Industries“ (2003) die Fusionsanreize für diese Marktstruktur, wenn die Gewinne der Industrie durch bilaterale Verhandlungen festgelegt werden. Es zeigt sich, dass der Anreiz für Firmen, nachgelagerte Aktivitäten zu fusionieren, davon abhängt, ob die Hersteller zunehmende oder abnehmende Stückkosten vorweisen. Die Hersteller ihrerseits haben einen Fusionsanreiz abhängig davon, ob sich ihre Produkte gegenseitig ergänzen oder ersetzen. Bei einer Fusion nachgelagerter Aktivitäten haben Hersteller einen höheren Anreiz, ihre Grenzkosten zu reduzieren, während dieser bei einer Fusion der Hersteller eher sinkt.
Ausgewählte Publikationen
| Banal-Estañol, Albert/Heidhues, Paul/Nitche, Rainer/Seldeslachts, Jo (2006): Merger Clusters during Economic Booms WZB Discussion Paper SP II 2006-17 Banal-Estañol, Albert/Macho-Stadler, Inés/Seldeslachts, Jo (2004): Mergers, Investment Decisions and International Organisation WZB Discussion Paper SP II 2004-13. Erscheint in Kürze in the International Journal of Industrial Organization under dem Title "Endogenous Mergers and Endogenous Efficiency Gains: The Efficiency Defence Revisited." | |
| Banal-Estañol, Albert/Seldeslachts, Jo (2005): Merger Failures WZB Discussion Paper SP II 2005-09 | |
| Clougherty, Joseph A. (2005): The International Drivers of Domestic Airline Mergers in Twenty Nations: Integrating Industrial Organization and International Business WZB Discussion Paper SP II 2005-06 Veröffentlicht in Managerial and Decision Economics, Vol. 27(1), Jan./Feb. 2006, pp. 75-93. | |
| Duso, Tomaso/Gugler, Klaus/Yurtoglu, Burçin | |
| (2006) Is the Event Study Methodology Useful for Merger Analysis? A Comparison of Stock Market and Accounting Data WZB Discussion Paper SP II 2006-19 | |
| (2006) How Effective is European Merger Control? WZB Discussion Paper SP II 2006-12 | |
| (2005) EU Merger Remedies: A Preliminary Empirical Assessment WZB Discussion Paper SP II 2005-16 Erscheint in Kürze in: J. Stennek/V. Ghosal (Hrsg.): The Political Economy of Antitrust, Contributions to Economic Analysis. North Holland, 2006. | |