Neuausrichtung des Regulierungsstaates? Ein Vergleich der Regulierung von Unternehmen der Plattformökonomie zwischen Städten und Sektoren in der EU

Abstract

Der Aufstieg von Unternehmen der Plattformökonomie stellt politische Entscheidungsträger vor erhebliche Herausforderungen. Dies gilt insbesondere für größere Städte, wo der Aufstieg von Unternehmen wie Uber, Airbnb oder E-Scooter-Anbietern mit erheblichen Folgeproblemen verbunden ist. Wie Entscheidungsträger mit diesen Herausforderungen umgehen, variiert erheblich, und zwar nicht nur zwischen Ländern, sondern auch zwischen Sektoren und Städten. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt folgende zentrale Fragestellung: Wie haben Städte auf den Aufstieg der Plattformökonomie reagiert? Am Beispiel der Politikfelder Verkehr und Wohnen untersucht das Projekt, wie Städte in Europa die Plattformökonomie regulieren, Standards verschärfen oder lockern und Vollzugspraktiken anpassen.

Ziel des Projektes ist es, zu erfassen und zu erklären, wie sich der Regulierungsstaat im Zuge der neuen Herausforderungen der Plattformökonomie verändert und wie sich seine normativen Grundlagen wandeln. Dieses Ziel soll in vier aufeinander aufbauenden Arbeitspaketen erreicht werden: 1) Das erste Arbeitspaket nimmt das empirische Mapping der Regulierung der Plattformökonomie in den Sektoren Verkehr (sog. „ride-hailing“ Unternehmen wie Uber) und Wohnen (sog. „appartment-sharing“- Anbieter wie Airbnb) auf subnationaler Ebene in 30 Staaten Europas vor. Untersucht wird, inwieweit die identifizierten Muster länderspezifische Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufweisen und ob diese Muster den aus der Literatur zu nationalen Regulierungsstilen zu erwartenden Charakteristika entsprechen oder davon abweichen. 2) Das zweite Arbeitspaket besteht aus einer statistischen Analyse zentraler Einflussfaktoren (institutionelle und politisch-ökonomische Variablen) auf die regulativen Muster der Plattformökonomie in einem Sample von ca. 200 größeren europäischen Städten. 3) Das dritte Arbeitspaket untersucht die Vollzugspraxis der lokalen und regionalen Behörden in 10 ausgewählten Städten; insbesondere soll die Rolle von administrativen Kapazitäten für die effektive Durchsetzung regulativer Standards untersucht werden. 4) Im vierten Arbeitspaket werden Veränderungen in der Konzeption von Gemeinwohl und öffentlichen Dienstleistungen bei lokalen und regionalen Akteuren analysiert. Die empirischen Befunde der ersten drei Arbeitspakete nutzend, soll ein konzeptioneller Beitrag über die Entwicklung des (lokalen) Regulierungsstaates im digitalen Zeitalter geleistet werden.

Das Projekt leistet wichtige Beiträge zur vergleichenden Politik- und Regulierungsforschung: empirisch durch den Aufbau einer Datenbank zu Regulierungsmustern der zwei Sektoren der Plattformökonomie in ca. 200 Städten; konzeptionell durch die Verbindung von Ansätzen der vergleichenden Regulierungsforschung, der politischen Ökonomie und der Multi-Level Governance-Perspektive; methodisch durch einen Mixed-Methods-Ansatz sowie theoretisch durch einen Beitrag zur Entwicklung des Regulierungsstaates im digitalen Zeitalter.

 

Projektleitung
Prof. Dr. Kai Wegrich (Hertie School)
Laufzeit
2022-2025
Förderung
DFG