BODYRULES - Organisationsregeln zum Umgang mit dem Körper im Spannungsfeld von Organisation und Zuwanderung

Abstract

Theoretischer Hintergrund

Wie verändern sich Organisationen in einer durch Zuwanderung diverser werdenden Gesellschaft und zwar insbesondere hinsichtlich der Regelung kulturell stark variierender sozialer Normen? Inwiefern lassen sich organisationsspezifische Besonderheiten hinsichtlich der Veränderung dieser Regelungen identifizieren? Dies sind zwei Leitfragen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts BODYRULES, in dem das WZB, die Organisationssoziologie der Universität Potsdam, und die Medizinsoziologie der Charité Berlin kooperieren (Förderkennzeichen 01UM1811BY). Das Projekt konzentriert sich auf formale und informale Organisationsregeln rund um den Körper, Sexualität und Geschlechterverhältnisse, da hier kulturelle Unterschiede besonders deutlich werden. Im Rahmen einer vergleichenden Analyse werden drei Organisationstypen analysiert, die von solch einem Wandel besonders berührt sind und für die der Umgang mit dem menschlichen Körper besonders relevant ist: Krankhäuser, Schulen und Schwimmbäder.

Das vom WZB durchgeführte Teilprojekt befasst sich mit Schwimmbädern und kooperiert eng mit dem Dachverband der deutschen Schwimmbadbetreiber, der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V.. Konflikte rund um den Körper, Sexualität und Geschlechterverhältnisse spielen eine wichtige Rolle im Alltag vieler Bäder. Forderungen nach Frauenbadezeiten mit weiblicher Badaufsicht sowie nach der Erlaubnis des Tragens von Burkinis einerseits und nach Unisex-Umkleiden für LGBT oder FKK Schwimmzeiten andererseits können dabei zu widersprüchlichen Erwartungen an Badbetreiber führen. Diese Entwicklung ist keineswegs auf das Schwimmbad beschränkt, sondern ein Abbild grundsätzlicher gesellschaftlicher Kontroversen: Wie weit sollte sich eine demokratisch und plurale Gesellschaft für die Forderungen einzelner Gruppen öffnen? Welche kulturellen Praktiken und welche Organisationsregeln sind verhandelbar – und welche nicht? Wie häufig sind solche Forderungen in deutschen Schwimmbädern und inwieweit gehen Badbetreiber auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzergruppen ein?

Zur Beantwortung dieser Fragen erhebt das vom WZB geleitete Teilprojekt quantitative und qualitative Daten: Erstens wird die Berichterstattung deutscher Zeitungen und Zeitschriften im Zeitraum zwischen 1998 und 2018 zu migrationsbezogenen Konflikten in deutschen Schwimmbädern im Rahmen einer Claims Analysis erfasst. Im Fokus der Analyse steht die Frage, in welchen Konfliktbereichen die verschiedenen Akteure die meisten Claims formulieren und wie sich die Akteure in diesem Themenfeld positionieren. Zweitens soll eine Umfrage unter den Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V., die fast alle Badbetreiber in Deutschland erreicht, erfassen, welche Regelungen und Arrangements es in deutschen Schwimmbädern hinsichtlich körperbezogener sozialer Normen gibt. Drittens werden in je zwei ausgewählten Frei- und Hallenbädern qualitative Interviews durchgeführt, die neben denen in der Umfrage fokussierten formalen Regelungen auch informale Organisationsregeln beleuchten und zudem Begründungen bzw. Legitimierungen für Regelungen erfassen.

Schließlich werden die Ergebnisse zu Schwimmbädern mit den Ergebnissen aus den Teilprojekten zu Krankenhäusern und Schulen verglichen, um organisationsspezifische Regelungs- und Legitimationsmuster zu erkennen. Ziel hier ist es, einen Beitrag zu internationalen theoretischen Diskussionen zu leisten, indem bisherige länderspezifische Erklärungsansätze der Öffnung für die Forderungen religiöser Minderheiten um einen organisationssoziologischen Ansatz ergänzt werden. 

Main content

Ausgewählte Publikationen

Wzbaktiv
Michalowski, Ines/Behrendt, Max (2019): Organisationaler Wandel für muslimische Badegäste in deutschen Schwimmbädern. Schnelle Anpassungen und Konflikte. WZB Discussion Paper SP VI 2019-101 SP VI 2019-101. Berlin: WZB.
Projektleitung
Laufzeit
2018 - 2020
Förderung
Bundesministerium für Bildung und Forschung