Infrastrukturinvestitionen
Infrastrukturinvestitionen sind eine wichtige Voraussetzung für die Modernisierung der Wirtschaft und dienen damit dem wirtschaftlichen Wachstum, der Wettbewerbsfähigkeit und der Produktivität. In diesem Projekt wird der Einfluß traditioneller und moderner regionaler und überregionaler Infrastruktur auf das Wirtschaftswachstum, auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und auf die Beschäftigung untersucht.
Beispiele für die traditionelle Infrastruktur sind Verkehrsverbindungen (Straße, Schiene, Wasser, Luft) und Energieversorgungsnetze. Zur modernen Infrastruktur gehören Telekommunikations- und Informationstechnologien. Im Mittelpunkt steht die quantitative Analyse des Zusammenhangs zwischen diesen unterschiedlichen Formen von Infrastrukturinvestitionen und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Straßen
Zwei Wirkungsweisen von Infrastruktur auf die private Produktion werden unterschieden. Erstens können Firmen öffentliche Infrastruktur quasi wie ein kostenloses „Zwischenprodukt“ für die Produktion nutzen. Zweitens kann Infrastruktur ähnlich wie technischer Fortschritt die Produktivität der privaten Produktionsfaktoren erhöhen. Der theoretische Ansatz basiert auf einem politökonomischen Lobbyismus-Modell, da zu vermuten ist, dass große Firmen versuchen werden, Einfluß auf die politische Entscheidung der regionalen Allokation von Infrastrukturinvestitionen zu nehmen (vgl. Stephan 2001b). In der empirischen Analyse werden beide Wirkungen von Infrastruktur berücksichtigt.
Die empirischen Ergebnisse zeigen eine Korrelation zwischen dem Produktivitätswachstum im verarbeitenden Gewerbe und der Straßeninfrastruktur. Allerdings ist diese Korrelation im Querschnittsvergleich der Bundesländer stärker ausgeprägt als im Zeitverlauf. Die Hypothese über „das Defizit an öffentlichem Kapital“ wird daher für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland im Rahmen dieser Studie nicht bestätigt (Stephan 2000 und 2001a).
Telekommunikation
Im American Economic Review berichten Röller und Waverman (2001) über ihre Analyse des Einflusses der Telekommunikationsinfrastruktur auf das wirtschaftliche Wachstum für 21 OECD-Länder in den vergangenen 20 Jahren. Sie haben ein strukturelles Gleichungsmodell geschätzt, in dem die Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur als endogene Variable erfaßt und in einem Mikromodell Angebot und Nachfrage nach Telekommunikationsinvestitionen spezifiziert werden. Das Mikromodell wird dann zusammen mit einer Makro-Wachstumsgleichung geschätzt. Röller und Waverman kommen zu dem Ergebnis, dass eine positive kausale Beziehung zwischen Telekommunikationsinvestitionen und wirtschaftlicher Entwicklung besteht, sofern eine kritischen Masse dieser modernen Infrastruktur vorliegt.