Staatliche Beihilfepolitik
Staatliche Interventionen beeinflussen unternehmerisches Handeln auch durch die Vergabe von Subventionen. Ziel solchen staatlichen Handelns kann die Lenkung unternehmerischer Aktivitäten, beispielsweise zur Steigerung von Investitionen für Forschung und Entwicklung, die Förderung von Start-ups oder die staatliche Beihilfe zur Sanierung und Umstrukturierung (Rescue & Restructuring) von Unternehmen sein. In diesem Projekt liegt das Interesse auf der Untersuchung der Externalitäten, die Subventionen für die Wohlfahrtsverteilung haben, sowie auf der Erforschung der Wechselwirkung zwischen staatlicher Beihilfepolitik und Marktergebnissen. Vor allem Rescue & Restructuring-Beihilfen tendieren zu einem Verzerrungseffekt für den Wettbewerb, da damit typischerweise Firmen in Schwierigkeiten unterstützt werden, die anders am Markt nicht überleben würden. Innerhalb der EU agieren Firmen allerdings in einem Binnenmarkt, so dass die staatliche Beihilfe seines Landes dem Unternehmen einen unzulässigen Vorteil vor seinen europäischen Wettbewerbern bringt, die ohne Staatsbeihilfe auskommen müssen. Daher werden in diesem Projekt die Wirkungen staatlicher Beihilfen auf den Wettbewerb im Binnenmarkt vor dem Hintergrund der gängigen Beihilfepraxis der EU untersucht. Um Empfehlungen für die Europäische Beihilfepolitik aussprechen zu können, werden dabei auch die Aspekte des Beihilfen-Lobbying und der politische Prozess der Beihilfegewährung einbezogen.
Eine andere Subventionsform, die immer stärker an Bedeutung gewinnt, ist die von Firmenförderprogrammen, die Kapital in Form von Beihilfen, Krediten mit verbilligten Konditionen oder Garantien zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungstätigkeit oder zur Förderung von kleinen oder mittelständischen Unternehmen bereitstellen. Matthias Almus (ZEW) und Susanne Prantl (2002) und Prantl (2004b) setzen moderne Evaluationsverfahren ein, um die tatsächlichen Effekte der Förderprogramme der Deutschen Ausgleichsbank während der 90er Jahre zuverlässig von den Auswirkungen einer selektiven Auswahl geförderter Unternehmen zu separieren. Die Evaluationsergebnisse zeigen für junge Unternehmen in den 1990-er Jahren schon kurz nach der Zusage von Förderkrediten der Deutschen Ausgleichsbank signifikant höhere Investitionen, als im Falle ohne Förderkredite vorgenommen worden wären. Die Effekte auf das Beschäftigungswachstum und die Überlebenschancen der Unternehmen sind ebenfalls positiv. Letztere sind zudem über einen langen Zeitraum von mindestens acht Jahren stabil. Der Beschäftigungsgewinn kann wie folgt geschätzt werden: Jedes Unternehmen mit einem Gründungskredit in Höhe von etwa 120,000 Euro beschäftigt im Durchschnitt einen Mitarbeiter für acht Jahre, den es im Falle ohne Förderkredit nicht beschäftigen würde. Allerdings ist zu betonen, dass die Fördereffekte in einzelnen Industrien sehr unterschiedlich sind. Prantl (2004b) analysiert, wie sich die bestehende Heterogenität von Fördermaßnahmen für Unternehmensgründungen auf die Überlebenschancen geförderter Unternehmen auswirkt. Die Untersuchung dieser Frage ist von Interesse, da Unternehmen oftmals verschiedene Förderprogramme unterschiedlich kombinieren können und die Konditionen einzelner Programme stark variieren.