Langzeitkonten und Lebenslaufpolitik in Zeiten der Krise
Langzeitkonten sind ein Instrument zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit. Zeit sparen und in einer späteren Phase des Erwerbslebens nutzen, so die Grundidee dieser Konten.Überstunden oder Entgeltbestandteile können auf dem Langzeitkonto verbucht und dann zu einem späteren Zeitpunkt entnommen werden. Unternehmen verfügen damit über eine Möglichkeit, um flexibler auf Kapazitätsschwankungen zu reagieren. Für die Beschäftigten entsteht durch den langfristigen Zeitausgleich die Möglichkeit, größere Zeitguthaben anzusparen und den Verfall von Mehrarbeit zu begrenzen.
Aktuell entfalten Langzeitkonten als Instrument des vorzeitigen Altersübergangs eine besondere Attraktivität für Betriebe und Beschäftigte. Langzeitkonten bieten jedoch auch die Chance einer besseren Verteilung von beruflichen und außerberuflichen Anforderungen innerhalb des Erwerbsverlaufs. So können größere Zeitguthaben für Phasen der Kinderbetreuung, Pflegeaufgaben oder Weiterbildung genutzt werden.
Die Nutzung von Langzeitkonten in der betrieblichen Praxis und der Lebensgestaltung von Beschäftigten wurde erstmals im Rahmen des Forschungsprojekts „Langzeitkonten und biografische Lebensführung“ untersucht.Anhand von repräsentativen Unternehmensdaten, ausführlichen Betriebsfallstudien sowie quantitativen und qualitativen Beschäftigtenbefragungen hat das Projekt ein umfassendes Bild der derzeitigen Nutzungspraxis und Nutzungsbarrieren von Langzeitkonten erstellt. Auf der Tagung werden die zentralen Ergebnisse der zweijährigen Forschungsarbeit vorgestellt. Dabei stellt der mögliche Beitrag von Langzeitkonten für die lebenslauforientierte Arbeitszeitgestaltung und Gestaltung des demografischen Wandels einen wichtigen Untersuchungsaspekt dar.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils der Tagung stehen die Auswirkungen der derzeitigen Wirtschaftskrise auf den Einsatz und die Nutzung von Langzeitkonten:Wie gehen Betriebe aktuell mit dem Langzeitkonto um? In welchem Ausmaß und auf welcher Grundlage werden die bestehenden Zeitguthaben zur Überbrückung der schlechten Konjunktur eingesetzt? Welchen Bestand haben langfristige Zielsetzungen in der Krise? In welchem Rahmen können die Zeitguthaben aktuell für die betriebliche Weiterbildung eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen sollen mit Experten und Expertinnen aus Unternehmen, Gewerkschaften und Wissenschaft diskutiert werden.