Wahlwettbewerb und Glaubwürdigkeit im politischen Prozeß
In der politökonomischen Literatur wird oftmals argumentiert, dass Wahlwettbewerb – analog zum Marktwettbewerb – zu effizienten Ergebnissen führt (Wirkung 3). Anhand eines einfachen Modells, in dem Politiker mehr Informationen über Kosten und Nutzen verschiedener Politikalternativen haben als der (durchschnittliche) Wähler, wird diese These von Johan Lagerlöf und Paul Heidhues (FS IV 00-06) hinterfragt.
Öffentliche Meinung
Unter der Annahme, dass die Politiker vor allem gewählt werden möchten, zeigen sie, dass die Politiker die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen im Gleichgewicht teilweise oder völlig ignorieren und stattdessen ihre Wahlkampfplattform nach der öffentlichen Meinung ausrichten. Da Informationen der Politiker dem Wähler vorenthalten bleiben, führt der Wahlwettbewerb nicht zu effizienten Ergebnissen.Zentralbank
In der Literatur zur Geld- und Kreditpolitik wurde gezeigt, dass eine Zentralbank ein Interesse daran hat, eine restriktivere Geldpolitik anzukündigen als diejenige, die sie tatsächlich implementieren möchte. Um das hierdurch entstehende Glaubwürdigkeitsproblem zu vermindern, wird daher typischerweise vorgeschlagen, die Zentralbank vor allem auf die Bekämpfung der Inflation (und nicht der Arbeitslosigkeit) zu verpflichten (Wirkung 4).Lagerlöf (2001) zeigt, dass dieses Argument nicht uneingeschränkt gilt. Er geht davon aus, dass eine Zentralbank detaillierte Informationen sammeln muss, um die passende Geld- und Kreditpolitik durchzuführen. Ist eine Zentralbank jedoch sehr konservativ (bzw. nur der Inflationsbekämpfung verpflichtet), so hat sie wenig Anreize, detaillierte Informationen zu sammeln. Er zeigt, dass es daher optimal sein kann, eine „liberale“ Zentralbank zu wählen. Dieses Resultat kann auch erklären, warum die jüngsten Reformen zu einer konservativen Zentralbankpolitik, welche in vielen Ländern durchgeführt wurden, politisch sehr umstritten waren.