Digitale Nomaden
In ihrem Beitrag für das aktuelle Heft der WZB-Mitteilungen berichten Eliška Drápalová, Kai Wegrich und María José Lee Ocampo über die politischen und sozialen Konflikte, die sich aus dem wachsenden Trend zum mobilen Arbeiten ergeben.
Sie kommen aus der Mittelschicht, haben höhere Bildung und Pässe mit umfangreichen Visafreiheiten, und sie verlegen ihren Wohnsitz aus freien Stücken: Auf den ersten Blick haben Menschen, die mit digitalen Mitteln von irgendwo in der Welt arbeiten, wenig gemein mit klassischen Migrant*innen. Doch die vermeintlich privilegierte Lebensweise darf nicht über Konflikte hinwegtäuschen, wie die Forschenden Eliška Drápalová, Kai Wegrich (Hertie School) und María José Lee Ocampo (ebenfalls Hertie School) in den WZB-Mitteilungen berichten. Die digitalen Nomaden sind kaum in lokale Gemeinschaften integriert, sie haben wenig Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig steigt vielerorts der Unmut, denn neben Tourist*innen werden sie für knappen Wohnraum, Gentrifizierung und die Verdrängung der lokalen Wirtschaft verantwortlich gemacht.
Seit ungefähr zehn Jahren, verstärkt seit der globalen Pandemie, explodiert dieser Trend geradezu. Freiberufler, Unternehmerinnen, Gelegenheitsjobber arbeiten in Spanien, Portugal, Mexiko, Indonesien, um nur die beliebtesten Destinationen zu nennen. Viele Länder reagieren mit Steuererleichterungen und großzügigen Visaregelungen, in der Hoffnung, Kaufkraft abzuschöpfen. Doch für die Politik wird es immer schwieriger, die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung und die der digitalen Nicht-Bürger*innen unter einen Hut zu bringen.
In ihrem Projekt „REGULATE: Recasting the Regulatory State?“ loten die Autor*innen dieses Spannungsfeld aus. Sie haben lokale Medien und kommunale Vorschriften analysiert und Interviews mit politischen Entscheider*innen in spanischen und portugiesischen Städten geführt. Sie zeigen, welche Fragen die neuen digitalen Infrastrukturen aufwerfen: Wie gestaltet sich lokales Wirtschaften? Wer entscheidet, wer profitiert? Welche Nebenwirkungen hat der Trend zum mobilen Arbeiten – auf den Wohnungsmarkt, auf politische Teilhabe, auf das soziale Leben in Städten?
4.8.25, GAK
