WZBrief Zivilengagement

Jugend politisch stärker engagiert als gedacht

Einen neuen Typus von politisch engagierten Jugendlichen hat WZB-Forscherin Céline Teney entdeckt: in ihre religiöse Gemeinschaft eingebunden, sozial eher benachteiligt, oft aus Migrantenfamilien stammend. Teney und ihre Kollegin Laurie Hanquinet von der University of York stellen damit das gängige Bild vom engagierten Nachwuchs als gut ausgebildete, in Vereinen vernetzte Jugendliche aus bürgerlichem Hause in Frage. Die Forscherinnen haben an 70 Brüsseler Schulen über 3.000 18-Jährige, ein Drittel dieser Altersklasse, zu ihren Haltungen und Meinungen befragt.

Was ihre sozialen Netze und Fähigkeiten angeht, sind die Jugendlichen sehr verschieden. Sechs Typen haben Teney und Hanquinet ausgemacht: von den "Isolierten" und den "Häuslichen" über die "Geselligen" und die "Clubgänger" bis hin zu den "Engagierten" und den "Religiösen". Nur die beiden letzten Gruppen sind politisch stark engagiert - und zwar in unterschiedlicher Ausprägung: Während die "Engagierten" (8 Prozent der Befragten) nach eigenen Angaben auch politische Texte lesen und diskutieren, sind bei den "religiösen" Jugendlichen (dieser Gruppe ordnen die Autorinnen 26 Prozent zu) eher konkrete politische Aktivitäten zu beobachten, etwa die Teilnahme an Nachbarschaftsräten oder an Demonstrationen.

In der sozialwissenschaftlichen Diskussion hat sich in den letzten Jahren die Ansicht durchgesetzt, dass die Einbindung in soziale Netzwerke und die politische Partizipation Jugendlicher stetig abnehmen. Diese Sorge teilen die Autorinnen nicht. Sie plädieren für eine genaue Betrachtung der Lebenswirklichkeit junger Menschen. "Jugendliche mit weniger breiter sozialer Einbindung sind nicht unbedingt weniger politisch aktiv", erklärt Céline Teney. "Sie sind nur vielleicht nicht in klassischen Bürgerinitiativen anzutreffen, sondern eher im Moscheeverein."

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