Kinder als Katalysatoren der Vielfalt
Je mehr Kinder in einem Stadtteil leben, desto mehr Nachbarschaftskontakte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen finden statt. Die integrierende Wirkung von Kindern bleibt dabei nicht auf ihre Eltern beschränkt, vielmehr berichten Bewohner kinderreicher Stadtteile generell von mehr interkulturellen Nachbarschaftskontakten. Zu diesem Ergebnis kommt WZB-Forscher Merlin Schaeffer durch eine Analyse von Telefoninterviews mit 7.500 Über-18-Jährigen.
„Kinder sind eine Art soziale Katalysatoren“, erklärt Merlin Schaeffer. „So wie Katalysatoren in der Chemie die Hin- und Rückreaktion zwischen Elementen beschleunigen, wirken Kinder auf das interkulturelle Zusammenleben.“ Voraussetzung sei allerdings, dass es Orte der Begegnung in Form von Spielplätzen und Parkanlagen, aber auch Restaurants, Eiscafés oder Bars gibt. Städte, die wenig öffentliche Begegnungsräume schaffen, würden kaum von der katalysierenden Wirkung von Kindern profitieren – und zwar unabhängig davon, welchen Bevölkerungsanteil Bewohner mit Migrationshintergrund ausmachen.
Die Umfrage „Ethnic Diversity and Collective Action“ wurde von Oktober 2009 bis April 2010 in verschiedenen deutschen Städten und Gemeinden durchgeführt. Die im Journal of Ethnic and Migration Studies veröffentlichten Erkenntnisse münden in klare Empfehlungen für die Gestaltung von Städten: Familienfreundliche Städte, die attraktive Begegnungsräume für die Freizeit von Eltern und Kindern anbieten und so verhindern, dass einheimische junge Familien an den Stadtrand ziehen, seien den Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft besser gewachsen.