Michael Wilford vor dem WZB-Neubau (schwarz-weiß)
WZB
Architekt des WZB

Michael Wilford ist gestorben

Am 10. März ist Michael Wilford im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war der jüngere der beiden Architekten, die für das eigenwillig-schöne Gebäude des WZB verantwortlich zeichnen. Ein Nachruf.

Es ist nicht egal, in welchem Kontext Gedanken und Theorien entstehen. Für die Forschung am WZB gilt das in doppelter Weise: Wir betreiben Sozialforschung, die den Problemlagen der Gesellschaft verpflichtet ist, deren Teil wir sind. Und wir dürfen das in einem besonderen Rahmen tun. Das Gebäude am Reichpietschufer ist nicht irgendein Bürogebäude. Es ist eine Ansammlung von Zitaten und Anspielungen; ein Altbau, dessen Fassade noch von den Spuren des Zweiten Weltkriegs gezeichnet ist, und Neubauten, die durch die Außenfarben hellblau und rosa verbunden sind und durch einen mutig orangenen Fußboden. In der Form aber sind die Gebäudeteile sehr divers, sie erinnern an eine griechische Stoa, eine Basilika, eine Arena.

Spielfreude, Witz, Respekt vor Traditionen und eine große Freundlichkeit kennzeichnen diese Architektur. Sie ist entstanden in den 1980er Jahren durch die kongeniale Zusammenarbeit der britischen Architekten James Stirling und Michael Wilford. Wilford, der jüngere von beiden, ist in dieser Zusammenarbeit gewachsen, vom technischen Umsetzer zum künstlerischen Gegenüber. Seit 1992 wahrte er alleine das Erbe, seinerseits traditionsbewusst, aber auch offen für Weiterentwicklungen. Entwicklung und Bau des Wintergartens hat er begleitet; gerne hatten wir ihn in unserem, in seinem Haus zu Gast.

Michael Wilford, geboren 1938, hat die europäische Architektur der Nachkriegsmoderne mit geprägt. In Berlin trägt die Britische Botschaft seine Handschrift, in Stuttgart die Staatsgalerie und die Musikhochschule. Zu nennen wären neben der Galerie Tate in Liverpool, dem Geschäftshaus Poultry No 1 in London, dem Lowry Centre in Manchester, dem Kulturzentrum Esplanade in Singapur noch viele mehr. Gelehrt hat Wilford an mehreren Hochschulen, unter anderem in Yale und Harvard.

Wenn wir und unsere Gäste täglich gerne am „Rosentor“ über die Schwelle treten, wenn die Perspektiven und Details uns immer wieder inspirieren, dann verdanken wir das in großem Maße dem Architekten Michael Wilford. Traurig erfahren wir von seinem Tod. Sein Andenken werden wir bewahren. Anstöße dafür hat er uns in Fülle hinterlassen.

Jutta Allmendinger
Präsidentin des WZB

20.3.2023