Mut abseits des Spielfelds: Hitzlsperger am WZB
Was auf dem Fußballplatz am meisten Mut erfordert? Ganz klar Elfmeterschießen. Die größeren Mutproben hat Thomas Hitzlsperger aber neben dem Platz bewältigt. Am WZB sprach er mit WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger in der Reihe „Starke Stimmen für Vielfalt“ darüber, wie er den Mut gefasst hat, ein großes Tabu im Männerfußball zu brechen.
Vor zehn Jahren – nachdem er bereits seine Karriere im Profifußball beendet hatte – gab Thomas Hitzlsperger seine Homosexualität bekannt. Dass seinem Beispiel seitdem kein Zweiter gefolgt ist, obwohl Vereine und Fanclubs heute viel stärker sensibilisiert sind, findet auch Hitzlsperger selbst schwer nachvollziehbar: „Die Zahl der Ex-Spieler ist riesig. Warum traut sich keiner?“, fragt er.
Eine Erklärung ist für Hitzlsperger der hohe Konformitätsdruck in der Welt des Männerfußballs und speziell unter den Spielern in der Kabine. Diese Kabinenkonformität geht oft mit einem bestimmten Männerbild einher: Alle sind zwar Mitspieler, aber auch Konkurrenten. Es gibt akzeptierte Gesprächsthemen wie Kleidung, Autos, Frauen. Mit anderen Interessen kann man sich gerade in Konkurrenzsituationen schnell angreifbar machen. Auch nach der Karriere könnte so eine Zurückhaltung bestehen bleiben, sich abseits des Mainstreams zu positionieren.
Thomas Hitzlsperger wollte bereits während seiner Karriere seine Homosexualität öffentlich machen – doch von verschiedenen Seiten wurde ihm davon abgeraten, da er sportlich angeschlagen war. Heute sieht er diese Entscheidung als richtig an: Das Coming-Out sollte aus einer Position der Stärke kommen.
Seine Stimme benutzt Hitzlsperger gegen Ausgrenzung, aber auch für einen kritischen Bericht zur Fußball-WM in Katar. Heute engagiert er sich gegen Rassismus und möchte dazu beitragen, dass Homosexualität nicht mehr als etwas Besonderes betrachtet wird. Es sei in unserer Gesellschaft noch immer nicht akzeptiert, homosexuell zu sein, auch wenn sich abseits des Spielfeldes schon viel getan habe.
In der Reihe „Starke Stimmen für Vielfalt“ lädt Jutta Allmendinger Vorbilder und Personen, die Mut machen, ans WZB ein.






