Journal of Cultural Economy

Statistiken verändern die Welt des Sports

Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende, die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro haben gerade begonnen. Während sich die breite Öffentlichkeit meist für pompöse Eröffnungsveranstaltungen und den beschwerlichen Anti-Doping-Kampf interessiert, steht die Nutzung statistischer Daten im Profisport weit weniger im Mittelpunkt des Interesses. Dabei verändern Statistiken die Welt des Sports massiv. In einem gerade im Journal of Cultural Economy veröffentlichten konzeptionellen  Beitrag entwickeln WZB-Gastwissenschaftler Matthias Kranke und sein Kollege David Yarrow (beide University of Warwick) ein performatives Verständnis von Sportstatistiken.

Die Autoren grenzen sich von populären Sichtweisen ab, die Sportstatistiken entweder als Instrumente zur Steigerung athletischer Leistungen oder als Anhaltspunkte einer fortschreitenden Kommerzialisierung sehen. Sie argumentieren hingegen, dass Statistiken die Wirklichkeit des Sports nicht bloß abbilden, sondern die Art und Weise, wie Sport betrieben wird, verändern können. Warum sind zum Beispiel bestimmte Typen von Fußballspielern wertvoller geworden als andere? Warum ist ‚serve and volley‘ im Tennis aus der Mode gekommen? Wie werden dem Publikum sportliche Großereignisse mithilfe von Statistiken verkauft? Der Aufsatz liefert Sportinteressierten neue Anhaltspunkte, die zu einem besseren Verständnis davon beitragen, wie sich Sportarten, gerade im professionellen Bereich, wandeln.

Yarrow, David and Kranke, Matthias (2016) The performativity of sports statistics: towards a research agenda. In: Journal of Cultural Economy, DOI:10.1080/17530350.2016.1202856: 1–13.